Standpunkt

Bischof Wilmer hält bei Frauenweihe die Windrichtung offen

Veröffentlicht am 06.03.2026 um 00:01 Uhr – Von Joachim Frank – Lesedauer: 

Bonn ‐ Der neue Vorsitzende der deutschen Bischöfe ist der Frage nach Frauen in Weiheämtern ausgewichen. In einer für die Zukunft der Kirche entscheidenden Frage braucht es ein klares Bekenntnis, kommentiert Joachim Frank.

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Heiner Wilmer wartet. Auf die "Überraschungen des Heiligen Geistes". In dem für viele überraschend-irritierend spirituellen Statement nach seiner Wahl ist der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) der Frage nach Frauen in den Weiheämtern ausgewichen. Die fromme Formel hat einen doppelten Sinn: Wilmer vermeidet damit zum Amtsantritt die Falle einer Festlegung. Zugleich aber signalisiert er, wo er steht: nicht auf der Seite Johannes Pauls II. und seiner Jünger. Für die kann und darf es in Sachen Frauenweihe keine Überraschungen mehr geben, seit der heilige Papst sie 1994 für ausgeschlossen erklärt hat. Soll der Heilige Geist mal schön woanders wehen!

Wilmer hält die Windrichtung offen. Aber er ist erfahren genug, um zu wissen, dass er damit nicht dauerhaft durchkommen wird. In einer für die Zukunft der Kirche entscheidenden Frage braucht es (irgendwann) das klare Bekenntnis – und weil es um Gerechtigkeit und Glaubwürdigkeit geht, sollte Wilmer damit nicht zu lange warten.

Wie viel Abwertung und Ausblendung von Frauen es in der Kirche immer noch gibt, zeigt Annette Jantzens neues Buch über "die ignorierten Frauen der Bibel" in der kirchlichen Leseordnung. Schwungvoll und schlüssig weist die Theologin nach, dass die Redaktoren – allesamt Männer – bei Zusammenstellung und Kürzung biblischer Geschichten, in denen Frauen eine Rolle spielen, hochselektiv und im Ergebnis manipulativ vorgegangen sind. Eine unselige Verstümmelung der Heiligen Schrift mit gravierenden Folgen. So geht im Gottesdienst die gesamte Tradition weiblicher Prophetie mit ihrer für die Bibel selbstverständlichen Autorität verloren. Prophetinnen wie Debora (Buch der Richter) oder Hulda (2. Buch der Könige), Zeitgenossin von Jeremia, Zefanja, Nahum und Habakuk – von der Leseordnung komplett verschwiegen. Auch die Schilderungen eigenständiger, selbstbewusster Frauen fallen so konsequent zugunsten männlicher Protagonisten weg, dass man es manchmal kaum glauben mag. Warum? Jantzen hat dafür eine so simple wie vielsagende Erklärung: "Männer finden Männer wichtig."

Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer bezeichnet Jantzens Buch zurecht als "Augenöffner" und als inspirierende "Einladung, sich mit der Bibel ‎auseinanderzusetzen". Richtig, aber damit nicht genug. Der mutwillig verschüttete Schatz weiblicher Überlieferungen gehört beherzt freigelegt, gehoben und im Gottesdienst gepflegt, damit die Kirche in ihrem Umgang mit Frauen auch wirklich Maß nimmt an dem, worauf sie sich beruft: dem Wort Gottes. Seine Weite bietet dann womöglich auch Raum für Heiner Wilmers Überraschungen.

Von Joachim Frank

Der Autor

Joachim Frank ist "DuMont"-Chefkorrespondent und Mitglied der Chefredaktion des "Kölner Stadt-Anzeiger". Außerdem ist er Vorsitzender der Gesellschaft Katholischer Publizistinnen und Publizisten Deutschlands (GKP).

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.