Kardinal: Synodaler Weg "großes Geschenk der Kirche" an die Welt
Der britische Kardinal Timothy Radcliffe sieht die öffentliche Debatte zunehmend von Schlagworten geprägt, bei denen Menschen nicht wirklich versuchten nachzudenken oder sich für andere Perspektiven zu öffnen. Stattdessen rufe Gott die Menschen dazu auf, Verstand und Herz zu öffnen, sagte der Kardinal in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit "Vatican News". Gerade in Zeiten von Krieg sei deshalb der synodale Weg der Kirche wichtig.
Radcliffe hält sich seit dem 27. Februar zu einem zweiwöchigen Besuch in der vom Krieg gezeichneten Ukraine auf. In Kiew leitete er geistliche Exerzitien und traf Geistliche sowie Gläubige. Als Beispiel für die Bedeutung von Synodalität verwies der Dominikaner auf das im Januar in Rom abgehaltene Konsistorium. Dort habe Papst Leo XIV. zunächst darauf bestanden, dass die Kardinäle einander zuhören. Erst danach habe er selbst das Gespräch aufgenommen. Für Radcliffe ist dies "ein großes Geschenk der Kirche an eine Welt voller Gewalt".
Radcliffe betonte zugleich, dass er nicht mit fertigen Botschaften in die Ukraine gereist sei. Vielmehr wolle er vor allem zuhören und von den Menschen lernen, die den Krieg unmittelbar erleben. Diese Haltung entspreche dem synodalen Verständnis der Kirche. Der Kardinal warnte zugleich vor zunehmender Gewalt in vielen Teilen der Welt. Konflikte nähmen nicht nur in Europa oder im Nahen Osten zu, sondern auch in Afrika, etwa im Südsudan. Gerade deshalb brauche es ein klares christliches Zeugnis der Hoffnung. "Der Krieg ist nicht unvermeidlich", sagte Radcliffe. (KNA)
