"Das werden ausgebrannte oder zynische Leute"

Priestermangel: Theologe Sellmann fordert neues Amtsverständnis

Veröffentlicht am 04.03.2026 um 12:30 Uhr – Lesedauer: 

Münster ‐ Liturgisch, gemeindenah, volkskirchlich: Der Theologe Matthias Sellmann unterscheidet drei Typen von Priester-Anwärtern. Warum ein neues Priesterbild aus seiner Sicht existenziell ist.

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Drei Typen von Interessenten für den Priesterberuf hat der Bochumer Pastoraltheologe Matthias Sellmann identifiziert. Gegenüber dem katholischen Internetportal "Kirche und Leben" sagte er, es gebe einen liturgisch geprägten Typus, den gemeindeorientierten Priester und den volkskirchlich motivierten Typus, der die Kirche als geistliche Autorität hochhalte.

Doch alle Motivationsmuster bereiten aus seiner Sicht nur unzureichend auf die Wirklichkeit großer Seelsorgeeinheiten vor. Der liturgisch geprägte Typus treffe häufig auf Menschen, die ganz andere Erwartungen an Kirche hätten und diese geistliche Weltsicht nicht teilten. Das wirke auf viele deprimierend: "Das werden ausgebrannte oder zynische Leute", sagt der Pastoraltheologe. Auch der volkskirchlich orientierte Typus gerate angesichts einer Institution in einer "tiefgreifenden Ansehenskrise" unter Druck.

Mehr Gemeindenähe und neues Priesterbild

Sellmann fordert mehr Kontakt zu Gemeinden und zu säkularen Institutionen in der Priesterausbildung. Auch brauche es, gerade mit Blick auf die immer größer werdenden Pfarreien, eine fundierte Vorbereitung: "An Pfarreimanagement kommt ein Priester heute nicht mehr vorbei."

Wegen des Priestermangels würde die Seelsorge vielerorts so umgebaut, dass sie auch ohne Priester funktioniere. Damit würde den noch vorhandenen Priestern das Signal gegeben: "Das geht auch ohne euch." Sellmann bilanzierte, eine Kirche ohne wahrnehmbare priesterliche Präsenz sei sakramental "verarmt".

Daher brauche es ein neues Amtsverständnis. Wer eine priesterliche Kirche erhalten wolle, müsse die Zugänge zum Priesteramt erweitern, so Sellmann. Neben den bisher nicht berechtigten Frauen könnten auch Spätberufene mit häufig größerer biografischer Reife und Priester im Nebenamt neue Formen priesterlicher Präsenz eröffnen. Zudem könne an verheiratete Männer und Frauen gedacht werden. Dann würde sich das Priesterbild wandeln, sagte Sellmann: "Das wären Menschen wie du und ich, und wir alle bilden eine priesterlich geprägte Kirche." (KNA)