Spekulationen über Stellung des Erzbistums

Bonnemain widerspricht Haas: Kann Vaduz zurück nach Chur?

Veröffentlicht am 05.03.2026 um 10:59 Uhr – Lesedauer: 

Vaduz ‐ Um die Zukunft des kleinen Erzbistums Vaduz in Liechtenstein gibt es seit dem Rücktritt von Oberhirte Wolfgang Haas Spekulationen. Wird es aufgelöst? Nun sorgt eine Churer Wortmeldung für Diskussionen.

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Eine Äußerung des Churer Bischofs Joseph Maria Bonnemain zum Status des Erzbistums Vaduz sorgt für Diskussionen um dessen Zukunft. Während der emeritierte Erzbischof Wolfgang Haas festgehalten hatte, dass die Diözese nicht die Rechtsnachfolge des ehemaligen Churer Dekanates Liechtenstein angetreten habe, sieht Bonnemain dies nun anders, berichtet das Internetportal "kath.ch" am Donnerstag. Dabei nimmt es Bezug auf Recherchen aus Liechtenstein.

Ausgangspunkt ist die Frage über den künftigen Status von Liechtenstein. Das Land war als Dekanat Liechtenstein lange Zeit Teil des Schweizer Bistums Chur. Im Dezember 1997 errichtete Papst Johannes Paul II. (1978–2005) dann ein eigenes Erzbistum Vaduz auf dem Gebiet des Fürstentums. Dies gab ihm die Gelegenheit, den damaligen Bischof von Chur, Wolfgang Haas, dorthin zu versetzen. Haas war in Chur wegen seiner Amtsführung sowie seiner sehr konservativen Ansichten umstritten. Die Versetzung nach Vaduz sorgte damals bei den Katholiken in Liechtenstein für erhebliche Proteste. Recherchen des "Spiegel" warfen Haas 2023 Intransparenz und Demokratiefeindlichkeit vor. Mit Vollendung des 75. Lebensjahrs im August 2023 bot Haas seinen Rücktritt an, den Papst Franziskus  annahm. Seitdem ist der Feldkircher Bischof Benno Elbs Apostolischer Administrator des Erzbistums. Ob das Erzbistum weiterbestehen wird oder nicht, ist seitdem unklar und wird in Liechtenstein oft diskutiert.

Verschiedene Ansichten zur Rechtsnachfolge

In diesem Klima antwortete der Churer Bischof Bonnemain auf eine Anfrage des liechensteinischen Portals "Lie24" zur Überführung von Archivalien am Dienstag, "dass der Rechtsnachfolger des Dekanates Liechtenstein das Erzbistum Vaduz sei". Diese Aussage steht im Gegensatz zur Haltung von Haas. Dieser hatte 1998 kurz nach Errichtung der Diözese im "Zirkularschreiben II an die Pfarrämter und Klöster/Ordensgemeinschaften im Erzbistum Vaduz sowie an die Regierung des Fürstentums Liechtenstein und an die Gemeindevorstehungen im Lande Liechtenstein" festgehalten, dass das Dekanat Liechtenstein mit der Errichtung der Erzdiözese Vaduz als aufgehoben gelten müsse, eine Wiedererrichtung in den gleichen Grenzen wäre nicht logisch und nicht rechtskonform. "Kath.ch" interpretiert diese Spannung derart: "Diese Einschätzung ist kirchenrechtlich und historisch von erheblicher Tragweite. Dies könnte bedeuten, dass das Erzbistum Vaduz wieder mit dem Bistum Chur verbunden wird."

Im April 2023 hatte der Vatikan Spekulationen zur Auflösung der Diözese eine Absage erteilt. Vatikan-Außenminister Erzbischof Paul Richard Gallagher hatte damals angegeben, dass ein guter Oberhirte für Liechtenstein gefunden werden würde. (cph)