Fastenzeit-Kolumne – Teil 3

Weniger ist mehr... Ärger?

Veröffentlicht am 08.03.2026 um 00:01 Uhr – Von Carina Adams – Lesedauer: 

Bonn ‐ Je weniger Ablenkung Carina Adams in ihrem Alltag zulässt, desto mehr ist sie in dieser Fastenzeit mit Problemen konfrontiert. Und auch mit den nicht ganz so netten Gefühlen und Gedanken...

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Ach, ist das alles schön! Die Sonne scheint, die Vögelchen zwitschern und ich fahre ganz ohne Ablenkung fröhlich mit dem Fahrrad von der Arbeit heim. Ist dieses Fasten nicht toll?  

Viel zu schwungvoll knalle ich die Spülmaschine nur wenige Stunden später zu und lasse mich genervt in einen Stuhl fallen. Ich bin so unfassbar wütend. Was bildet sich diese Person eigentlich ein? Das war vorhin so unfair! Muss ich alles allein machen?

Ist dieses Fasten nicht toll, wenn ich ohne Ablenkung ganz allein meinen Gedanken ausgeliefert bin? Nein. Nein, ist es oft ganz und gar nicht. Dieses Fastenziel bringt mich an manchen Tagen ans Ende meiner Nerven. Zweimal liege ich stundenlang wach, bevor ich einschlafen kann, weil ich wegen absoluter Banalitäten wütend bin. Ich rege mich in einem langen Vortrag über eine Kollegin auf oder motze meinen Freund an.

Weil mir nicht nur alles Schöne und Besondere wie die ersten wärmeren Frühlingstage auffällt, sondern auch alles Störende und Nervige. Ich höre dauerhaft jedes Wort der Kolleginnen im Büro und beim gemeinsamen Abendessen schauen wir nicht die nächste Folge "Stranger Things". Ich bin überall dauerhaft mit dem konfrontiert, was mich an anderen stört. 

Endlich Ruhe?

Tja, und weil diese anderen Menschen offensichtlich das Problem sind, bleibe ich ein Wochenende allein mit mir und meinen Gedanken. Eine selten dämliche Konklusion meinerseits. Nicht, ein Wochenende allein zu sein. Aber dass die anderen das Problem sind.

Denn noch mehr als sie ärgere ich mich selbst. Ich erledige nicht alles im Haushalt direkt. Ich schiebe eine unangenehme Aufgabe aus meinem Kalender auf das nächste Wochenende. Ich bin ignorant und führe lieber eine Stunde lang eine Diskussion in meinem Kopf, statt einfach die betreffende Person anzurufen. 

Bin ich das Problem? 

Auch wenn dieser Schluss nahe liegt – nein, ich glaube nicht. Ich bin ein Mensch mit Fehlern. Die anderen Menschen um mich herum sind das auch. Aber mein größter Fehler bisher war nicht das Aufschieben von Aufgaben, Unentschlossenheit oder mangelnde Konfrontationsbereitschaft.  

Mein größter Fehler war es, das Unangenehme, Störende und Nervige so oft es geht beiseitezuschieben. Statt mich damit auseinanderzusetzen, habe ich mich davon abgelenkt. All diese Gedanken über Konflikte, all diese Wut über andere und letztendlich mich selbst: Das sind alles nur Symptome.

Ich habe die letzten Tage das Gefühl, Stückchen für Stückchen abzutragen von einer dicken Schicht an Ablenkung von meinen eigenen Gedanken und Gefühlen. Permanent frage ich mich: Aber warum stört dich das so? Was liegt dahinter?  

Dabei gibt es keine großen Erkenntnisse… 

…oder Richtungswechsel. Es ist ein dauerhafter Prozess und oft genug bleibe ich in einer Gedankenschleife hängen und komme nicht weiter. Außerdem ist es mega nervig und wirklich anstrengend.  

Aber ich habe ehrlich das Gefühl, dass ich diese Fastenzeit nicht primär verzichte. Das "Mehr" an Gedanken, Gefühlen und Wahrnehmungen ist wunderschön, deprimierend, bereichernd und auslaugend. Aber es ist das reine Leben, von dem ich mich immer weniger ablenken lasse.

Von Carina Adams

Wenn... dann!

Auch in meinen Gedanken war – etwas unbewusst – die Heilige Teresa von Ávila. Was sie uns in der Fastenzeit zu sagen hat:

#fastenfeiern – 40 Tage ohne Ablenkung

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