Unstimmigkeiten auf Kirchenkonten

Bischof tritt zurück – er soll 270.000 Dollar entwendet haben

Veröffentlicht am 11.03.2026 um 12:17 Uhr – Lesedauer: 

San Diego ‐ Papst Leo XIV. hat den Rücktritt eines kalifornischen Bischofs angenommen. Der Grund ist nicht sein Alter: In den USA wird ihm vorgeworfen, über 270.000 Dollar aus einer Gemeinde veruntreut zu haben.

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Papst Leo XIV. hat den Rücktritt des chaldäisch-katholischen Bischofs in Kalifornien, Emanuel Shaleta, angenommen. Das teilte der Vatikan am Dienstag in seinem täglichen Bulletin mit. Dem 69-jährigen Shaleta wird von der Staatsanwaltschaft San Diego vorgeworfen, mehr als 270.0000 Dollar von seiner chaldäisch-katholischen Gemeinde in El Cajon, östlich von San Diego, entwendet zu haben. Unter den 17 Anklagepunkten sind acht Fälle von Veruntreuung und acht Fälle von Geldwäsche. In einer Anhörung bekannte sich der abberufene Bischof für nicht schuldig.

Laut der britischen Tageszeitung "The Guardian" sei Shaleta in der vergangenen Woche am Flughafen von San Diego verhaftet worden, als er versucht habe, das Land zu verlassen. Das Reiseziel ist nicht bekannt. Die Anwältin des abberufenen Bischofs, Sharon Appelbaum, erklärte, dieser Flug sei seit Längerem geplant gewesen. Zu der Anklage sagte sie, dass sie Shaletas Unschuld beweisen wolle.

Der Staatsanwalt Joel Madero sagte laut Zeitungsbericht, die Vorwürfe hingen mit monatlichen Mietzahlungen von über 30.000 Dollar zusammen, die angeblich verschwunden seien. Über die Unstimmigkeiten auf den Kirchenkonten und den Verbleib des Geldes habe Shaleta "völlig unglaubwürdige Geschichten" erzählt.

Der emeritierte Bischof streitet Vorwürfe ab

In einem Gottesdienst hat sich der Bischof laut "The Guardian" kürzlich zu den Vorwürfen geäußert. Er habe niemals "einen Cent des Kirchengeldes missbraucht" – ganz im Gegenteil: er habe sein Bestes getan, "um die Spenden der Kirche ordnungsgemäß zu erhalten und zu verwalten". Die Priester der Gemeinde veröffentlichten eine Solidaritätserklärung mit ihrem emeritierten Oberhirten und baten um Gebete für die Kirche.

Seinen Rücktritt habe Shaleta Leo XIV. bereits im Februar vorgelegt. Mit der Bekanntgabe der Annahme hat der Heilige Stuhl offenbar bis jetzt gewartet, um die polizeilichen Ermittlungen nicht zu behindern. Leo XIV. ernannte Bischof Saad Hanna Sirop zum vorläufigen Verwalter der Gemeinde.

Shaleta wurde 1984 von Papst Johannes Paul II. in Rom zum Priester geweiht. Nach seiner Promotion in biblischer Theologie wurde er in die Vereinigten Staaten versetzt und wirkte in Illinois, Michigan und Kalifornien. Franziskus ernannte ihn 2017 zum Bischof der Diözese des Heiligen Apostels Petrus von San Diego der Chaldäer. Der chaldäisch-katholische Kirche gehören Schätzungen zufolge weltweit etwa 500.000 Gläubige an, die hauptsächlich aus dem Irak stammen. Obwohl ihre Glaubensinhalte mit der römisch-katholischen Lehre übereinstimmen, bewahrt die Kirche ihre eigenen östlichen Traditionen. (jlo)