Fastenzeit-Kolumne – Teil 4

Wo ist Gott?

Veröffentlicht am 15.03.2026 um 00:01 Uhr – Von Carina Adams – Lesedauer: 

Bonn ‐ Sie solle sich mal fragen, wo Gott in ihrer Kolumne sei, wird Carina Adams letzte Woche aufgefordert. Sie fragt sich daraufhin: Finde ich mit meinem Fasten näher zu Gott? Oder scheitere ich?

  • Teilen:

"Alles alltägliche Probleme, die Autorin sollte sich aber mal fragen, wo in ihrer Kolumne Gott ist. Manche dieser Probleme wären mit Gott sicher einfacher zu bewältigen." Das schreibt mir so ähnlich jemand als Antwort auf meine letzte Kolumne.

Und irgendwie beschäftigt mich der Kommentar diese Woche. Wo ist Gott? Darum geht es ja bei meinem Fasten. Ich will Ablenkungen aus meinem Leben entfernen, um näher zu mir selbst und Gott zu finden. Das gehört für mich zusammen.

Also setze ich mich in der Mittagspause mit einem Kaffee auf die Terrasse, lausche dem Regen und denke nach. Wo ist Gott? Vielleicht versuche ich wirklich zu sehr, meinen Alltag und die vielen kleinen Probleme darin allein zu lösen – und verlasse mich nicht genug auf Gott? Sollte ich mich öfter fragen: Wie kann Gott mir bei meinen Problemen helfen?  

Ich sollte vielleicht einfach mal mehr beten 

Ich lasse mich von den Worten des Kommentars verunsichern und hinterfrage meine Gottesbeziehung: Ist sie zu schwach? Ich lasse Gott bestimmt nicht genug Raum in meinem Alltag. Wie oft bete ich am Tag?
Klar, in den großen Krisen meines Lebens war und ist das Gebet für mich unverzichtbar.

Aber bei kleinen Alltagssorgen lenke ich mich oft lieber ab. Ich schaue "nur kurz" was am Handy oder ich mache eine Serie an, "um mich zu motivieren", was wirklich quasi nie funktioniert. Diese Fastenzeit hat all diese Ablenkungen entfernt. Und dann waren da erstmal nur ich und meine Gedanken und eben auch meine Launen und Sorgen.

Aschenkreuz
Bild: © stock.adobe.com/rahwik (Symbolbild)

"Ich nehme Gott wahr, wenn ich endlich mal in Ruhe dasitze und dem Regen lausche. Ich nehme Gott wahr, wo ich das Handy statt zum Streamen dazu nutze, mit einer Freundin zu telefonieren."

Was könnte ich jetzt beten? Irgendwie habe ich Gott gerade nichts zu sagen. Ich sitze eine Weile da. Komme zur Ruhe. Höre dem tropfenden Regen und den Frühlingsliedern der Vögel zu. Und dann fällt mir ein Gebet ein. Es ist eins der häufigsten Gebete, die ich spreche und das schon seit meiner Kindheit. Ich spreche es, mehrmals am Tag. Vor dem Essen und nach einem Erfolg, in ausgelassenen Momenten und wenn etwas gerade nochmal gut gegangen ist.

Denn in meinem Leben bin eben nicht nur ich mit meinen Gedanken und Launen und Sorgen. Da bin auch ich mit meiner Gelassenheit und meiner Fröhlichkeit. Und in diesen Momenten der Ruhe oder Freude fühle ich auch immer eine unfassbar große Dankbarkeit. Für all das Gute und Schöne in meinem Leben und für den Moment. Auf der Terrasse im Regen bete ich:

"Danke Vater. Danke."

Ich stimme dem Schreiber der Nachricht zu: In vielen Sorgen und Problemen wäre es gut, ich würde Gott präsenter in meinem Leben halten. Denn ich weiß zwar theoretisch: Gott ist immer bei mir. Aber ich nehme es manchmal einfach nicht bewusst wahr oder ich lasse mich so vom Schlechten mitreißen, dass ich gar nicht an Gott denke.

Das heißt aber nicht, dass Gott in meinem Leben und in dieser Kolumne fehlt. Ich nehme Gott wahr, wenn ich endlich mal in Ruhe dasitze und dem Regen lausche. Ich nehme Gott wahr, wo ich das Handy statt zum Streamen dazu nutze, mit einer Freundin zu telefonieren.   

Und heute ist wirklich der perfekte Tag für diese Erkenntnis, denn diesen Sonntag heißt es in der Mitte der Fastenzeit: "Laetare!" – "Freut euch!" Das ist keine zwanghafte, aufgesetzte Freude, sondern die Aufforderung, in den Schwierigkeiten des Lebens nicht das Gute aus dem Blick zu verlieren. 

Und jetzt freue ich mich erstmal über diesen Kommentar, der mich so zum Nachdenken angeregt hat. Und weil ich mich in meinem Beruf über diese Dinge nachdenken darf. Und weil gerade die Sonne hereinscheint. Und weil ich heute frei habe. Und in Ruhe hier sitzen und mir denken darf: Danke Gott. Danke.

Von Carina Adams

#fastenfeiern – 40 Tage ohne Ablenkung

Schreiben Sie mir Ihre Gedanken über Instagram, YouTube, Facebook oder an socialmedia@katholisch.de!