Standpunkt

Vorsicht, wenn das christliche Menschenbild exklusiv beansprucht wird

Veröffentlicht am 16.03.2026 um 00:01 Uhr – Von Regina Nagel – Lesedauer: 

Bonn ‐ Religiöse Rhetorik wird gerade in den USA zunehmend politisch instrumentalisiert Auch hierzulande lohnt ein genauer Blick, wenn jemand das christliche Menschenbild für sich reklamiert, kommentiert Regina Nagel.

  • Teilen:

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.

Bei der Konferenz christlicher Führungskräfte (KCF) 2025 sagte ein CDU-Politiker: "Jede Partei hat ja was, was sie antreibt: Die Sozialdemokraten glauben an den Staat, die Liberalen an den Wettbewerb, die Grünen haben auch was. Aber dieses christliche Menschenbild haben wir!"

Ob Vertreter*innen der hier benannten Parteien dem so zustimmen würden? Für den CDU-Vertreter jedenfalls sollte gelten: Wer exklusiv das christliche Menschenbild für sich beansprucht, verpflichtet sich dazu, Wissen, Macht und Geld so einzusetzen, dass die Würde eines jeden Menschen gewahrt bleibt und dass Gerechtigkeit wachsen kann – vor allem, was die Schwächsten in der Gesellschaft anbelangt.

Die Strategie, die eigene Politik mit dem Label "christlich" zu schmücken, ist vor allem in den USA, aber auch im europäischen Raum zu beobachten. Wie gefährlich die Entwicklung in den USA ist, wo Trump zum Heilsbringer hochstilisiert wird und der Kriegsminister religiöse Kampf-Narrative verwendet, erläutert Arnd Henze in "Mit Gott gegen die Demokratie – Warum der christliche Nationalismus alle angeht". An Beispielen aus Gegenwart und Geschichte zeigt er auf, wie sehr ein "MAGA-christliches" Menschen- und Weltbild die jesuanisch-christliche Ethik ins Gegenteil verkehrt. Henze, selbst evangelischer Theologe, stellt fest: "Nichts braucht die Welt heute weniger als noch mehr Religion im öffentlichen Raum."

Die Macht der Idee eines christlichen Nationalismus ist in den USA viel ausgeprägter als in Deutschland. Dennoch sollte man wachsam sein, beispielsweise, was die oben erwähnte KCF angeht (ein Arbeitszweig des evangelikalen IDEA-Magazins). Dort treffen sich nicht nur Führungskräfte, die sich christlicher Ethik verpflichtet fühlen, sondern auch Vertreter*innen fundamentalistischer Netzwerke mit herrschaftstheologischen und demokratiegefährdenden Konzepten.

Wo immer heute jemand das christliche Menschenbild exklusiv für sich reklamiert oder gar dazu aufruft, gesellschaftliche Bereiche christlich umzugestalten, ist Skepsis angebracht. Verantwortungsträger*innen, die sich am christlichen Menschenbild orientieren, gewinnen an Glaubwürdigkeit, wenn sie sich mit allen verbünden, die für eine menschenrechtsorientierte und gerechte Gestaltung des Zusammenlebens in einer pluralistischen Welt eintreten.

Von Regina Nagel

Die Autorin

Regina Nagel ist Religionspädagogin, Wirtschaftspsychologin und Autorin. Sie studiert derzeit Geschichte Europas an der FernUniversität Hagen und engagiert sich bei den Omas gegen Rechts Deutschland e.V.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.