Ex-Dombaumeisterin: Eintritt für Kölner Dom etwas für Wohlhabende
Die frühere Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner befürchtet, dass durch das geplante Eintrittsgeld der Dom künftig nur noch etwas für einen begrenzten Kreis an Besuchern sein könnte. "Ich fände es ganz schwierig, wenn der Dom nur noch von Wohlhabenden besucht werden könnte", sagte Schock-Werner am Montag im Interview des Deutschlandfunks. Wenn die Höhe des geplanten Eintrittsgeldes bei 10 Euro oder darüber liege, sei das zu viel. "Es würde sicher Leute abschrecken."
Kirchen sollten nichtkommerzielle Räume sein, in denen jeder Mensch willkommen sei – egal, ob zum Gebet oder für eine Besichtigung. Man dürfe nicht vergessen, dass der Dom auch ein "missionarisches Angebot der Kirche" sei, um zu zeigen, dass solche Räume zu Ehren Gottes geschaffen worden seien. Ein Eintrittsgeld mache den Dom eher zu einem Museum. Zugleich sehe sie die Notwendigkeit, dass das Domkapitel Geld brauche, um den Betrieb des Kölner Wahrzeichens aufrechtzuerhalten, sagte Schock-Werner. "Es ist alles teurer geworden." Das gelte auch für den Betrieb des Domes.
"Unfair"
Bereits Anfang März hatte Schock-Werner den geplanten Eintritt in den Kölner Dom kritisiert: "Was ich höre, sind Beträge um die 12 bis 15 Euro. Das fände ich nun unfair gegenüber den Kölnerinnen und Kölnern sowie den Menschen aus der Region", sagte sie im Interview des "Kölner Stadt-Anzeigers".
Zuvor hatte Dompropst Guido Assmann mitgeteilt, dass der Dom ab der zweiten Jahreshälfte eine Zugangsgebühr für Touristen erhebt. Wer zum Gottesdienstbesuch oder zum Gebet in die Kathedrale kommt, soll dies aber weiter kostenfrei tun können. Dafür wird es laut Assmann gesonderte Bereiche geben. Den Kölner Dom besuchen jedes Jahr mehr als sechs Millionen Menschen aus der ganzen Welt. Seit 2019 ist die Kathedrale immer wieder in die Roten Zahlen gerutscht. Allein der Erhalt des Riesenbauwerks kostet 23.200 Euro pro Tag.
In Deutschland sind die meisten Kirchen frei zugänglich. Eine Ausnahme bildet zum Beispiel der evangelische Berliner Dom, der regulär 15 Euro Eintritt kostet. Im Ausland sind Zugangsgelder für Kirchen üblicher. So verlangt die Sagrada Família in Barcelona 26 Euro, der Stephansdom in Wien 29 Euro. (KNA)
