Diskussionen um Erhalt

Pro und Contra: Sollte der Kölner Dom Eintritt nehmen?

Veröffentlicht am 11.03.2026 um 09:34 Uhr – Lesedauer: 

Köln ‐ Die Preise steigen, das Weltkulturerbe muss erhalten werden: Ab der zweiten Jahreshälfte will der Kölner Dom von Touristen Eintritt nehmen. Meike Kohlhoff und Christoph Paul Hartmann sehen den Schritt unterschiedlich.

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Contra: Eine offene Kirche für alle

Wer sich den Berliner Dom von innen ansehen will, wird erstmal ordentlich zur Kasse gebeten: 15 Euro Eintritt! Für eine Kirche! Kein Wunder, wenn da so mancher wieder kehrtmacht. Dass man in Köln nun den gleichen Weg gehen will, ist umso schlimmer.

Denn einerseits leisten zumindest Kirchenmitglieder in Deutschland durch ihre Kirchensteuer bereits einen Beitrag, damit es Orte des Glaubens landauf landab, in Form großer Kathedralen und winziger Kapellen gibt. Es ist Teil des Auftrags einer Kirche, diese Orte des Glaubens offenzuhalten und Gläubigen damit einen Anlaufpunkt, eine Heimat zu geben. Dieses Heimatgefühl stellt sich aber nicht ein, wenn irgendwo am Ende des für den Dom geplanten Gebetsbereichs ein Gitter steht und man sich in einer "Gebets-Legebatterie" wiederfindet. Glaube braucht Raum und keine Schranken.

Andererseits sind Kirchen immer auch ein Zeichen über die eigene Gemeinschaft hinaus. Jeder Kirchturm ruft: Schaut her, ich verweise auf Gott – hier habt ihr alle Platz. Da zu unterscheiden, wer "nur" als Tourist oder direkt zum Gebet kommt, passt nicht in die Offenheit der Kirche für alle, die nicht zuletzt Papst Franziskus eingefordert hat ("todos, todos, todos"). Selbst, wer sich "nur" dem außergewöhnlichen architektonischen Raum aussetzen will, beweist dadurch doch trotzdem eine Offenheit für das Spirituelle. Sechs Millionen Menschen jedes Jahr im Kölner Dom sind eine Abstimmung mit den Füßen dafür, dass eben noch nicht alles vorbei ist für den Glauben hierzulande. Da mit einer Schranke zu antworten, könnte nicht falscher sein.

Selbstverständlich kostet der Erhalt einer historischen Kirche Geld. Doch lassen sich andere Wege finden, wie eine Kirche auch angesichts steigender Preise offenbleiben kann. Museen und Theaterprojekte machen es vor: Dann schießt ein Wirtschaftsunternehmen oder eine Stiftung Geld bei und wird im Gegenzug an sichtbarer Stelle dankend erwähnt. Zudem könnte mit Hinweistafeln gezielt um mehr Spenden geworben werden – ganz freiwillig. Da würde es sich auch lohnen, auf Partner zuzugehen: Immerhin steht dem Dom mit dem Zentral-Dombau-Verein ein Akteur mit Kompetenz und vielen Vernetzungen zur Seite, der sicher Rat und Tat beisteuert. Gemeinsam sollte man in Köln mutig und kreativ werden.

Von Christoph Paul Hartmann

Bild: ©katholisch.de/msp (Archivbild)

Sechs Millionen Menschen besuchen den Kölner Dom jedes Jahr.

Pro: Ein Ort für wirkliche Spiritualität

Eintritt zahlen, um in den Kölner Dom zu gehen? Skandal, mögen nun manche rufen. Bringt man hier etwa Menschen davon ab, ihren Glauben zu leben? Das stimmt so nicht – sogar das Gegenteil könnte der Fall sein. Denn was mit steigender Empörung oft vergessen wird: Wer eine Kerze anzünden, beten oder einen Gottesdienst besuchen möchte, wird weiterhin keinen Eintritt zahlen müssen. 

Wer kürzlich an einem Samstag im Kölner Dom war, wird sicher zustimmen: Viel Raum für Einkehr und Besinnung gibt es dort aktuell nicht. Ein ständiges rein und raus der Besucher, die nur mal schnell schauen wollen, knistern von Tüten des City-Shoppingtrips, Klicken von Fotoapparaten. Ruhe für ein Gespräch mit Gott ist da Mangelware. Das könnte sich durch Eintrittspreise deutlich verbessern, denn es hemmt den Besucherstrom. An tendenziell vollen Tagen könnte man sogar über eine Deckelung des Ticketkontingentes nachdenken.

Der Erhalt des Kölner Doms kostet über 23.000 Euro am Tag. Durch den Ticketverkauf könnten sicherlich noch einmal einige Restaurationen angegangen werden, die dieses besondere Meisterwerk der Menschheitsgeschichte verdient. Fast jedes säkulare Museum nimmt Eintritt, nicht nur für den Erhalt, sondern um Gewinn zu erwirtschaften. Es ist nicht vermessen, Geld zu verlangen von denjenigen, die den Dom rein als touristisches Gebäude besuchen möchten. In vielen Ländern ohne Kirchensteuer gibt es bereits Eintrittspreise in Kirchen, teils sogar recht hohe. Hierzulande sinken die Einnahmen durch Kirchensteuern aufgrund gestiegener Austrittszahlen. Wer nun argumentiert, die Kirche könne das Geld ja einfach aus anderen Besitztümern nehmen, der irrt, denn rechtlich ist das gar nicht so einfach. Außerdem, wohin soll das führen? Dass immer mehr kleine Kirchen schließen und verkauft werden müssen, um einige wenige herausragende Bauwerke weiter aus Kirchenmitteln finanzieren zu können? Beim Kölner Dom soll der Eintritt gerüchteweise nicht so hoch wie bei europäischen Vorbildern werden und es wird wohl viele Möglichkeiten der Rabattierung geben, für Menschen, die sich den Eintritt sonst nicht leisten können.  

Vielleicht ist sogar durch den Erlass des Eintrittspreises der Anreiz nun höher, den Kölner Dom direkt mal in Verbindung mit einem Gottesdienst zu besuchen. Und so lernt man den Dom kennen für das, wofür er gebaut wurde: Eine Verbindung zu Gott und nicht als reines architektonisch spannendes Gebäude wie viele andere.

Von Meike Kohlhoff