Becker zu Missbrauchsstudie: Bedauere Leid Betroffener zutiefst

Der emeritierte Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker hat sich selbstkritisch zu seiner Rolle im Umgang mit missbrauchsbeschuldigten Priestern im Erzbistum geäußert. "Mit dem Abstand zu meiner Amtszeit sehe ich manches anders, manches klarer als früher. Die MHG-Studie, die weiteren Untersuchungen der vergangenen Jahre und vor allem die heute deutlich hörbaren Stimmen von Betroffenen haben bei mir eine sehr ernste persönliche Reflexion ausgelöst", erklärte Becker laut Pressemitteilung des Erzbistums am Dienstag. "Mir ist bewusster geworden, wie leidvoll es für Betroffene war, nicht nur Gewalt zu erfahren, sondern danach auf Distanz, Zweifel, fehlendes Interesse oder mangelnde Empathie und menschliche Zuwendung zu stoßen." Viele Betroffene hätten erfahren müssen, dass ihr Leid nicht gesehen oder nicht ernst genommen worden sei. "Dass dies geschehen ist, bedauere ich zutiefst."
Becker äußerte sich anlässlich der Veröffentlichung einer Missbrauchsstudie am vergangenen Donnerstag. Die Untersuchung beleuchtet den Zeitraum von 1941 bis 2002 und damit die Amtszeiten der beiden Paderborner Erzbischöfe Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt. Den Wissenschaftlerinnen zufolge haben die Kardinäle beschuldigte Geistliche geschützt und selbst kaum Fürsorge für Betroffene erkennen lassen. Von Sommer 1995 bis zu seiner Berufung zum Weihbischof war Becker als Personaldezernent für das pastorale Personal im Erzbistum zuständig. Er sei damit auch in die Entscheidung über den Umgang mit beschuldigten Priestern eingebunden gewesen, so Becker, auch wenn die maßgebliche Entscheidung nicht in seinem Verantwortungsbereich gelegen habe. "Ich will mich dabei nicht hinter Zuständigkeiten verstecken", so der emeritierte Erzbischof. Er nehme die Missbrauchsstudie sehr ernst und prüfe "sorgfältig", welche Fragen sich daraus für sein eigenes Handeln von damals ergeben.
Becker: Bitte um Entschuldigung
Becker betonte, dass seine Amtszeit als Erzbischof von 2002 bis 2022 gegenwärtig untersucht werde und Ergebnisse im kommenden Jahr vorliegen sollen. Dieser Untersuchung wolle er nicht vorgreifen und sie nicht ersetzen. "Aber ich will schon heute sagen: Wo mein Handeln auch in späterer Verantwortung dazu beigetragen hat, dass Betroffene nicht ausreichend gesehen, geschützt oder ernst genommen wurden, bitte ich dafür um Entschuldigung."
Becker hob hervor, dass die zweite Studie noch in seiner Amtszeit in Auftrag gegeben worden sei und es dafür ein eindeutiges Votum der Aufarbeitungskommission gegeben habe. Aufarbeitungskommission, Prävention und Intervention seien in seiner Amtszeit auf den Weg gebracht und in den Folgejahren professionalisiert worden. "Ich hoffe, dass Betroffene nun die Unterstützung und das Gehör finden, die ihnen lange auch bewusst vorenthalten wurden", erklärte Becker. "Und ich hoffe, dass unsere Ortskirche von Paderborn dadurch wieder stärker dem gerecht wird, was sie von Gott her leisten soll: uneingeschränkt für alle Menschen da zu sein und ihnen mit Wahrhaftigkeit, Schutz und Achtung zu begegnen." (cbr)