Bischof Overbeck: Synodaler Weg trotz Schwierigkeiten ein Aufbruch

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck sieht im Synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland trotz aller Schwierigkeiten einen Aufbruch. "Gewiss ist nicht in jeder Hinsicht schon absehbar, wohin dieser Weg im Einzelnen führen wird", sagte Overbeck am Donnerstag in Bonn. "Aber die Hoffnung, dass dieser Weg – auch dort, wo er mühsam und steinig ist – ein lohnender Weg ist, bleibt stark und, wie ich meine, gut begründet."
Von Beginn an sei klar gewesen, dass die Umsetzung von Synodalität in Deutschland ein steiniger Weg sein werde, so Overbeck weiter. "Wer aus einer tiefen Krise herausfinden und neue Höhe gewinnen will, wird kaum einen Weg vor sich haben, der frei von Mühen, Widerständen und Zumutungen ist."
Overbeck verwies dabei auf die Erkenntnisse aus der 2018 veröffentlichten MHG-Studie zum sexuellen Missbrauch in der Kirche in Deutschland, die den Ausgangspunkt des Synodalen Wegs bildete. Durch sie sei den deutschen Bischöfen "unausweichlich deutlich" geworden, "dass hier ein konkreter Wandel angestoßen werden musste – und dass ein solcher Wandel nur in synodaler Weise, also im gemeinsamen Hören, Beraten und Unterscheiden von Bischöfen, Klerikern und der Gesamtheit der Gläubigen, seinen Ausgang nehmen könne".
"Den Realitäten nicht gerecht"
Dass ein solcher Prozess nicht in allen Phasen reibungslos, spannungsfrei und ohne Brüche verlaufen konnte, verstehe sich von selbst, betonte der Essener Bischof. "Ihm dies jedoch grundsätzlich zum Vorwurf zu machen oder das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Interessen und Überzeugungen vorschnell als unsynodales Geschehen abzutun, würde den Realitäten der Kirche nicht gerecht."
Für den Lernprozess auf dem Synodalen Weg sei der weltweite synodale Prozess sehr hilfreich gewesen, betonte Overbeck. "Deshalb werbe ich mit Nachdruck für ein Miteinander und ein Zueinander dieser beiden synodalen Prozesse." Der synodale Prozess in Deutschland bedürfe des wohlwollenden Vertrauens der Weltkirche. "Er braucht Raum für eigene Erfahrungen und eigene Lernschritte; zugleich aber ist er auf die Erfahrungen der Weltkirche angewiesen – nicht zuletzt auch als hilfreiches Korrektiv für die eigene Entwicklung."
Overbeck äußerte sich bei einem Symposium an der Universität Bonn. Es trägt den Titel "Synodalität und Praedicate Evangelium – zwei Grundelemente der Kirchenreform von Papst Franziskus". Unter den Teilnehmern waren die Kardinäle Óscar Rodríguez Maradiaga, Oswald Gracias und Jean-Claude Hollerich, der Rottenburger Bischof Klaus Krämer sowie der Theologe und frühere Misereor-Geschäftsführer Josef Sayer und die Theologinnen Margit Eckholt und Klara-Antonia Csiszar. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Bonner Lehrstuhl für Moraltheologie. (KNA)