Palmarianer sorgten mit Klage für Aufsehen

Gegenpapst-Bruder warnt vor traditionalistischer Splittergruppe

Veröffentlicht am 23.03.2026 um 11:10 Uhr – Lesedauer: 

Bern ‐ In der Schweiz sorgen die Palmarianer für Schlagzeilen. Nun äußert sich ein Politiker dazu – der mit der traditionalistischen Splittergruppe eine ganz persönliche Geschichte hat: Er ist der Bruder des "Papstes".

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Der Schweizer Politiker Armin Odermatt (SVP) warnt vor der palmarianisch-katholischen Kirche. "Wichtig ist, dass die Behörden den Kontakt zur Gemeinschaft aufrechterhalten, insbesondere um zu wissen, wie es den Kindern geht", so Odermatt gegenüber der "NZZ am Wochenende". "Auch wenn sie nach aussen hin glücklich scheinen, darf man sie nicht ihrer Möglichkeiten berauben."

Odermatt ist der Bruder von Joseph Odermatt, der seit zehn Jahren als von der Gemeinschaft so bezeichneter "Papst Petrus III." das Oberhaupt der palmarianischen Kirche ist. Die Gruppe entstand in den 1960er Jahren im Zusammenhang mit Marienerscheinungen im südspanischen Palmar de Troya – Beobachter bezeichnen sie als Sekte. Die Palmarianer erkennen das Zweite Vatikanische Konzil (1962–65) nicht an, haben die katholische Liturgie einschneidend verkürzt und die Bibel umgeschrieben. Unter anderem der spanische Diktator Francisco Franco wird als Heiliger verehrt. Früher hatte die Gemeinschaft etwa 10.000 Mitglieder. Nach einigen Skandalen – wie etwa dem öffentlichkeitswirksamen Austritt eines "Papstes" – soll es noch etwa 1.000 bis 1.500 Mitglieder geben. Für sie sind Kontakte zu Menschen außerhalb der Gemeinschaft stark reglementiert.

Keinen Kontakt mehr zu Familie

Achim Odermatt ist seit 30 Jahren nicht mehr Mitglied der Gemeinschaft und hat keinen Kontakt mehr zu seiner Familie. Der 55-Jährige berichtet, dass die sowieso schon strengen Regeln der Gemeinschaft in seiner Kindheit stetig verschärft wurden. "Zu Beginn durfte ich in der Schule noch mit in die Badi oder an Ausflügen teilnehmen, doch mit der Zeit war das nicht mehr möglich." Das habe auch für Kontakte zu anderen Kindern gegolten: "Ich verbrachte praktisch die ganze Freizeit nur noch mit Gleichgesinnten, von der Aussenwelt bekam ich nicht mehr viel mit." Schätzungen gegen heute von 100 Palmarianern in der Schweiz aus.

Im Schweizer Ort Bürglen im Kanton Uri haben zwei palmarianische Familien zuletzt für Aufsehen gesorgt. Eine davon wollte ihren Sohn aus religiösen Gründen vom Schwimmunterricht befreien lassen. Das Bundesgericht wertete das Schwimmenlernen und die Sozialisation des Kindes jedoch höher und urteilte gegen die Eltern. (cph)