Warum ein realistischer Überblick schwierig ist

Experte: Kirchenfinanzen wenig transparent – Kirchensteuer bleibt

Veröffentlicht am 30.03.2026 um 11:01 Uhr – Lesedauer: 

Köln ‐ Ein Euro für den Kölner Dom? Das wirkt absurd, doch das Beispiel zeigt, wie schwer es ist, das Vermögen der Kirchen in Deutschland realistisch zu bewerten. Ein Fachmann für Kirchenfinanzen nimmt Stellung.

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Nach Ansicht eines Experten wird es auf Dauer schwierig bleiben, einen realistischen Überblick über die Finanzen der Kirchen in Deutschland zu bekommen. "Was gehört zur Kirche? Welche Stiftungen sind dabei? Wie behandeln wir Sozialverbände, die kirchennah sind?" Diese und ähnliche komplizierte Fragen seien kaum zu beantworten, sagte der Aachener Politikwissenschaftler und Fachmann für Kirchenfinanzen Ralf Rotte am Montag im Deutschlandfunk.

"Und sobald es um Immobilien geht, Land und Forsteigentum, da wird es dann noch viel schwieriger", fügte er hinzu. Dort gebe es vor allem ein erhebliches Bewertungsproblem – etwa bei den zahlreichen Kirchengebäuden, für die es keinen Marktpreis gebe.

Dom abreißen und Parkhaus bauen?

"Natürlich könnten Sie jetzt – das ist mein Lieblingsbeispiel – sagen, ich reiße den Kölner Dom ab und baue stattdessen ein Parkhaus, dann kriegen sie vielleicht da tatsächlich einen Marktpreis dafür und könnten das entsprechend angeben", ergänzte Rotte. Da dies aber abwegig sei, würden solche Objekte in der Regel mit einem Euro bewertet. Ähnliche Bewertungsprobleme gebe es bei den meisten der mindestens 20.000 Kirchen und Kirchengebäude im Land.

Angesichts sinkender Mitgliederzahlen und Kirchensteuereinnahmen stünden die Kirchen finanziell zunehmend unter Druck, so der Experte weiter. Deshalb wäre es wichtig, die gesamte finanzielle Lage besser beurteilen zu können. Hinzu kämen Probleme bei der Finanzkompetenz und -kontrolle in einigen Bistümern, was zu Finanzskandalen führen könne wie vor einigen Jahren in Limburg oder zuletzt in Eichstätt.

Spätestens 2060 Einnahmen halbiert

Inzwischen gebe es zwar mehr und bessere Kontrollgremien, doch letztlich hänge vieles weiterhin von der jeweiligen Bistumsleitung ab. Langfristige Prognosen gingen davon aus, dass den Kirchen bis 2060 – oder sogar deutlich früher – nur noch etwa die Hälfte der heutigen Einnahmen zur Verfügung stehen dürfte. Vor allem in ärmeren Regionen wie im Osten müssten die Kirchen spätestens dann Leistungen kürzen und Personal abbauen. Schon heute machten Personalkosten rund drei Viertel der Ausgaben aus.

Trotz wachsender Kritik dürfte das deutsche System der Kirchensteuer aber bis auf Weiteres bestehen bleiben, so Rotte weiter – "weil das historisch so stark gewachsen ist und sich da letztendlich keiner wirklich dran traut, jedenfalls keiner von den größeren Parteien. Und daher würde ich sagen, werden wir dieses System noch länger haben." Doch der Druck könnte mit weiter sinkenden Mitgliederzahlen noch zunehmen. (KNA)