Schwester Jordana Schmidt über das Sonntagsevangelium

Osterfreude – Jesus will uns begegnen

Veröffentlicht am 04.04.2026 um 09:25 Uhr – Lesedauer: 
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Schwalmtal-Waldniel ‐ Schwester Jordana Schmidt fühlt sich, als würde Jesus sie selbst im Evangelium ansprechen, wenn er sagt: "Maria". Der Herr ist auferstanden. Doch wie will Jesus uns dieses Ostern begegnen?

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Kennen sie das Osterkribbeln? Ich bekomme es, wenn ich eben dieses Evangelium höre. Ob in der Osternacht, am Ostersonntag oder zu einem anderen Zeitpunkt im Jahr. Ganz besonders kribbelt es bei diesem einen, ausgesprochenen Namen: "Maria". Es ist, als ob ich selbst angesprochen werde. In mir spüre ich ein Gefühlsgemisch aus Freude, Liebe, Kraft und Hoffnung. Ein gutes Gefühl. Es breitet sich in meinem Körper aus, zaubert mir ein Lächeln aufs Gesicht und lässt mein persönliches Ostern anfangen.

An diesem Ostersonntag bekommen wir gleich zwei Ostergeschichten hintereinander zu hören – doppeltes Osterkribbeln. Wir hören die Erzählungen, wie aus dunkler Trauer, verpassten Gelegenheiten, Verrat, Leere und Hoffnungslosigkeit, zunächst die Ratlosigkeit, dann die Hoffnung und schließlich die pure Lebensfülle wird. Eine meiner Mitschwestern sagte mir neulich: "Ohne die Trauermetten und Düsterkeit der Kartage wird es kein richtiges Osterfest für mich." Dieser Gefühlsmix gehört zu Ostern, gehört zu unserem Leben. Wir sollen das Leben feiern, ohne Ende. Das ist eine Überzeugung, nach der wir leben dürfen, quer durch alle Schuld – und Dunkelheitserfahrungen hindurch.

Die drei Personen am Grab, die uns heute vorgestellt werden, repräsentieren so ziemlich den Querschnitt vieler Persönlichkeiten von uns Menschen: liebend, sanft, temperamentvoll, tief, unbeherrscht, ängstlich, klug, und noch vieles mehr. Ich finde mich wieder, mal in dem einen, mal in dem anderen. Es ist in Ordnung wie ich bin, mit allem, was mich ausmacht, was ich getan oder was ich nicht getan habe. Mir möchte Jesus begegnen.

Leider nicht mehr so, wie er einer Maria von Magdala oder den Jüngern begegnet ist. Es ist eher eine Begegnung im Herzen, zu spüren in diesem "Osterkribbeln". Etwas, dass ich vielleicht auch in Begegnungen, Erfahrungen und Erlebnissen spüren darf. Mein Leben aus dieser Gewissheit und dem Glauben zu leben, dass Jesus mein Leben bis heute begleitet, gibt mir Hoffnung und Freude. Daran werde ich an diesem Osterfest wieder erinnert.

Diese Osterhoffnung und Osterfreude wünsche ich uns allen. Besonders aber wünsche ich sie denjenigen, die diese Osterbotschaft nicht im inneren oder äußeren Frieden und Sicherheit hören. Allen, denen nur diese Botschaft bleibt: der Herr ist auferstanden. Beten wir um den Frieden in allen Ländern und in allen Beziehungen, in jedem Menschen. Einen Frieden, den nur Gott geben kann. Und uns allen wünsche ich ein "Osterkribbeln" in der Gewissheit: Jesus will uns begegnen und das Leben feiern.

Halleluja.

Evangelium nach Johannes (Joh 20,1–18)

Am ersten Tag der Woche kam Maria von Mágdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben.

Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging jedoch nicht hinein.

Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Haupt Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle.

Da ging auch der andere Jünger, der als Erster an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. Denn sie hatten noch nicht die Schrift verstanden, dass er von den Toten auferstehen müsse. Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück.

Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten.

Diese sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wohin sie ihn gelegt haben. Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war.

Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast! Dann will ich ihn holen. Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbúni!, das heißt: Meister.

Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.

Maria von Mágdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte.

Die Autorin

Schwester Jordana Schmidt OP ist gelernte Familientherapeutin und Diplom-Heilpädagogin. Seit 1994 gehört sie den Dominikanerinnen von Bethanien an. Von 2002 bis 2012 arbeitete sie als Erziehungsleiterin im Bethanien Kinderdorf in Schwalmtal-Waldniel und war zwischen 2012 und 2020 Kinderdorfmutter. Heute lebt sie als SPLG Mutter (Sozialpädagogische Lebensgemeinschaften) mit zwei Kindern in Krefeld. Momentan sie ist mehrmals im Jahr im Radio bei "Kirche im WDR" zu hören. Ihre Bücher "Auf einen Tee in der Wüste" und "Ente zu verschenken" waren wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste.

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