Haseloff: Katholizismus hat mich in die Politik geführt
Den ehemaligen sachsen-anhaltischen Ministerpräsidenten Reiner Haseloff hat der Katholizismus in die Politik geführt. "Unsere Pfarrer kamen aus dem Westen, aus Paderborn, Bochum, Hamm. In der Wendezeit haben sie gesagt: Jetzt ist die Chance da, jetzt müsst ihr rein", sagte der CDU-Politiker der "Welt am Sonntag". So seien viele praktizierende Christen in den Nachwendejahren politisch aktiv gewesen.
"Ohne das C für Christlich wäre ich wahrscheinlich gar nicht in der CDU", so Haseloff. Denn auch die Liberalen hätten interessante Ansätze. "Wenn man aus einer Diktatur kommt, weiß man Freiheit umso mehr zu schätzen."
Er stamme aus einem katholischen Milieu, erklärte der in der Lutherstadt Wittenberg lebende Politiker. Das habe vom Kindergarten an zu Widerstand geführt. Die Konfrontation habe ihn provoziert, sich stärker mit Theologie, Naturwissenschaft und Weltanschauung zu beschäftigen. Das habe ihn bis zuletzt auch als Ministerpräsident geprägt: "Ich war nie bereit, mich für irgendeine politische Maxime, für ideologische Vorgaben oder eine politische Übersteuerung harter Fakten verbiegen zu lassen."
Haseloff: "Auf Kardinaltugenden besinnen"
"Wenn es keine höhere Instanz gibt, vor der ich mich rechtfertigen muss, dann heiligt am Ende der Zweck die Mittel", kritisierte Haseloff. Deshalb sei für ihn klar: Bei Themen wie Lebensschutz, assistiertem Suizid, Menschenbild und Würde gebe es Grenzen. Wenn politische Bestrebungen von der Ursprungsintention des Grundgesetzes und vom jüdisch-christlich geprägten Wertekatalog abweichen, "dann wäre das für mich der Punkt des Ausstiegs".
An die jüngere Generation richtet Haseloff den Rat, sich auf die vorchristlichen Kardinaltugenden zu besinnen. Es gehe um die vier Haupttugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Maß. "Und weil Gerechtigkeit allein kalt sein kann, kommen im christlichen Kosmos Glaube, Hoffnung und Liebe hinzu." Damit könne ein Gemeinwesen effizient und menschenwürdig zusammengehalten werden. (KNA)
