Anstieg von Erwachsenentaufen in Frankreich

Bischof: Nicht vorschnell von religiösem Revival sprechen

Veröffentlicht am 07.04.2026 um 11:23 Uhr – Lesedauer: 

Freiburg ‐ Die Zahl der Erwachsenentaufen wächst, doch für den Bischof von Nanterre bleibt der Trend fragil. Ein Provinzialkonzil soll nun helfen, das Katechumenat im Gemeindeleben zu verankern und weiterzuentwickeln.

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Trotz einer Vielzahl an Erwachsenentaufen in Frankreich bezeichnet der Bischof von Nanterre, Matthieu Rougé, das Phänomen weiterhin als fragil. Man solle deshalb nicht vorschnell von einem "massiven religiösen Revival" sprechen, erklärte er am Montag gegenüber dem Portal "communio.de". Dennoch ist er überzeugt, dass der katholische Glaube eine "echte Anziehungskraft" besitzt. "Der Eifer mancher Soziologen, das schlechtzureden, was ihre Prognosen widerlegt, ist erstaunlich und wirft Fragen hinsichtlich der Objektivität ihrer Vorgehensweise auf", so Rougé. 

Etwa die Hälfte der Taufbewerber stamme aus kulturell christlichen Familien, während die andere Hälfte aus atheistischen Milieus oder anderen Religionen komme, erläuterte der Bischof weiter. Die Profile seien in diesem Zusammenhang sehr vielfältig: "Manche treten der Kirche tatsächlich bei, weil sie auf der Suche nach Identität, insbesondere kultureller Identität, sind. Diese Suche hat jedoch nicht immer eine politische Dimension, und wenn doch, kann sie vielfältige Formen annehmen."

Zugänge vielfältig 

Auch die Zugänge zum katholischen Glauben seien vielfältig und oft überraschend: Während einige den Aufenthalt in einer Kirche als entscheidend nennen, berichten andere wiederum von der Lektüre des Evangeliums. Auch die "Schönheit der Liturgie" werde häufig als Zugang genannt. In diesem Zusammenhang hätten auch soziale Medien eine große Bedeutung gespielt – "sowohl bei der ersten Begegnung mit dem Glauben als auch bei der Vor- und Nachbereitung der Sakramente der christlichen Initiation". Für die Kirche sei es daher wichtig, hochwertige Internetprojekte zu fördern. 

Das in der Île-de-France gelegene Bistum Nanterre, an dessen Spitze Bischof Rougé steht, wurde 1966 gegründet und ist als Suffraganbistum dem Erzbistum Paris unterstellt. Ein Suffraganbistum bezeichnet dabei den Status eines Bistums als Teil einer Kirchenprovinz unter der Leitung eines Metropoliten. Die Bistümer dieser Region wollen sich in diesem Zusammenhang künftig intensiver mit dem Phänomen der Erwachsenentaufen befassen und haben diesbezüglich ein Provinzialkonzil einberufen. Zu den Zielen erklärt Bischof Rougé: Man wolle ein möglichst breites Bewusstsein für das Katechumenat im Gemeindeleben schaffen sowie über Praktiken der Aufnahme, Begleitung und Integration beraten. Dafür habe bereits eine Phase umfassender Konsultationen in Pfarreien, in lokalen Katechumenats-Teams und in den Diözesen begonnen. "Auf dieser Basis wird ein Arbeitsinstrument erarbeitet, das als Grundlage für die Überlegungen und Vorschläge einer Versammlung von 400 Personen dienen wird, die zudem in thematischen Kommissionen arbeiten werden."

Im Vorfeld zu Ostern wurde in Frankreich von mehr als 13.000 erwachsenen und 8.000 jugendlichen Taufbewerbern gesprochen. Das entspricht bei den Erwachsenen einem Anstieg von 28 Prozent und bei den Jugendlichen von 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch in Belgien sind die Erwachsenentaufen um 30 Prozent gestiegen. In Deutschland verzeichneten die Bistümer im vergangenen Jahr ebenfalls mehr Erwachsenentaufen. Dennoch ist die Gesamtzahl der Taufen weiterhin rückläufig. Laut der im März von der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichten Kirchenstatistik 2025 lag sie im vergangenen Jahr bei 109.028. Im Jahr 2024 wurden insgesamt 116.274 katholische Taufen in Deutschland gezählt. (mtr)