Pater Christoph Kreitmeir über das Sonntagsevangelium

Handfeste Beweise für den Glauben

Veröffentlicht am 11.04.2026 um 09:30 Uhr – Lesedauer: 
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Ingolstadt ‐ In schweren Zeiten suchen Menschen nach Beweisen, um den Glauben an ein Leben nach dem Tod zu stärken, erklärt Pater Christoph Kreitmeir. So auch Apostel Thomas im Sonntagsevangelium – und das mit Erfolg.

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Fast hätte ich diesen Beitrag nicht verfassen können, weil ich nun seit vier Wochen durch harte und schmerzhafte Zeiten mit "open end" als Patient gehe. Als Krankenhauspfarrer darf ich nun viele Jahre schon Menschen in allen möglichen und meist schlimmen Krankheits- und Sterbesituationen begleiten und deren Glaubensstatus miterleben. Nun ist es auch bei mir wieder einmal so.

Der Glaube an die Auferstehung Jesu  der Glaube also, dass Leiden, Sterben und Tod nicht das letzte Wort haben  muss im Leben wachsen, will er hilfreich für die Bewältigung von Schwerem sein. Echter Glaube muss Hand und Fuß haben. Leider bleiben aber die einen im Kinderglauben stecken, andere begehren gegen Gott auf, viele werfen ihren Glauben auf die Müllhalde, wieder andere wachsen an Krisen und einige können sich mit wachsendem Vertrauen in Gottes Willen fügen. Es gibt verschiedene Stufen des Glaubens und verschiedene Geschwindigkeiten im Glauben.

Bei Thomas war es auch so. Er ging eigene Wege. Er war nicht dabei, als die anderen Jünger erfahren durften, dass Jesus durch die Mauern ihrer Furcht, Angst und Isolation kam und sie innerlich aufbaute: "Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen" (Joh 20, 20). So eine Freude muss und will weitererzählt werden. Thomas erfuhr von dem Unmöglichen, dass Jesus gekommen sein soll. Er wollte handfeste Beweise, festgemacht am Berühren von Jesu Wunden. So war er beim nächsten Treffen der Jünger dabei, sicherlich in der Spannung von Skepsis und neugieriger Erwartung.

Jesus kam ein weiteres Mal durch verschlossene Türen und wusste natürlich vom Glaubensstatus des Thomas, wie er jeden einzelnen Status von uns auch kennt. Und Jesus arbeitete mit dem Wunsch des Thomas, ihn in seinen Wunden berühren zu dürfen. Und dann geschah ein Quantensprung im Glauben des Thomas. Er ist der erste Jünger, der Jesus als "mein Herr und mein Gott" bezeichnet. Durch die Berührung der Zeichen der Qual und Marter seines damaligen Herrn und Meisters kann er den Auferstehungsleib begreifen, kann er Gott begreifen und dies auch aussprechen. Jesu Auferstehung heilt seine Wunden der Skepsis und des Zweifels. "Durch seine Wunden sind wir geheilt" (Jes 53, 5) – Auch wir!

Thomas ging dann bis nach Südindien. Sein Glaubenszeugnis war die Grundlage der sogenannten Thomaschristen, die heute ein Segen für die Weltkirche und auch die Kirche von Deutschland sind. In unseren Diözesen sind viele indische katholische Priester, Ordensmänner und Ordensfrauen mit einer Glaubenskraft und Glaubensfreude tätig, die uns in unserem im Glauben geschüttelten Deutschland neuen Schwung bringen wollen.

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes (Joh 20, 19–31)

Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite.

Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.

Thomas, der Dídymus genannt wurde, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.

Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt und Thomas war dabei. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!

Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott!

Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. 

Noch viele andere Zeichen hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist,
der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.

Der Autor

Der Franziskanerpater Christoph Kreitmeir arbeitet in der Klinikseelsorge am Klinikum Ingolstadt, in der Erwachsenenbildung und bei Lebenshilfesendungen im Radio Horeb.

Ausgelegt!

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