Hochschulrektor wirbt für mehr Zusammenarbeit in der Theologie

Der Rektor der kirchlichen Hochschule Sankt Georgen, Wolfgang Beck, hat angesichts sinkender Studierendenzahlen mehr Zusammenarbeit in der Theologie gefordert. Es sei nicht mehr angemessen, am bisherigen System festzuhalten, schreibt er am Mittwoch in einem Leserbrief in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".
Gemeinsam mit dem Dekan des Fachbereichs "Katholische Theologie" der Goethe-Universität in Frankfurt, Christoph Nebgen, spricht sich Beck dafür aus, die Trennung zwischen Universitäten und kirchlichen Hochschulen zu überwinden. Diese Abgrenzung passe nicht mehr zu den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts und sei für Kirchen und Theologie "wenig lebensdienlich".
Warnung vor Rückzug
Die Autoren betonen, dass die Theologie einen Beitrag für die Gesellschaft leisten solle. Rückzugstendenzen oder eine stärkere Abschottung der Einrichtungen seien daher der falsche Weg. Hintergrund ist eine Debatte, die durch einen FAZ-Beitrag evangelischer Theologen ausgelöst worden war. Beck unterstützt deren Vorstoß, hält jedoch weitergehende Reformen für notwendig.
In Frankfurt werde bereits an einer engeren Zusammenarbeit zwischen der Hochschule Sankt Georgen und der Goethe-Universität gearbeitet. Dabei sollen unterschiedliche konfessionelle, religiöse und geisteswissenschaftliche Perspektiven stärker zusammengeführt werden. Zugleich warnt Beck davor, die Theologie aus den Universitäten zu verdrängen. Statt eines Abbaus brauche es eine inhaltliche und strukturelle Erneuerung, die sich auch an den Bedingungen einer pluralen Gesellschaft orientieren müsse.
Rückgang der Studierendenzahlen
Die Zahl der Studierenden im katholisch-theologischen Vollstudium ist in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Nach Recherchen der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) hat sich die Zahl an staatlichen Fakultäten innerhalb von sechs Jahren etwa halbiert. Auch an kirchlichen Hochschulen ist ein Rückgang zu verzeichnen, wenn auch weniger stark.
Das klassische Vollstudium "Magister Theologiae", das vor allem auf den Priesterberuf und kirchliche Tätigkeiten vorbereitet, verliert zunehmend an Nachwuchs. Vor diesem Hintergrund wird seit einiger Zeit über die Zukunft der theologischen Ausbildung in Deutschland diskutiert. Dabei geht es unter anderem um strukturelle Reformen, stärkere Kooperationen zwischen Einrichtungen sowie um die Rolle der Theologie im universitären und gesellschaftlichen Kontext. (KNA)