Selbsternannter "Meisterfälscher" bekennt sich zu Wilmer-Fake

Der sich selbst als "Meisterfälscher" bezeichnende Tommaso Debenedetti hat sich dazu bekannt, für den gefälschten Instagram-Account von Bischof Heiner Wilmer verantwortlich zu sein. Gegenüber katholisch.de bestätigte er seine Urheberschaft. Die Angaben sind nicht unabhängig überprüfbar. Mittlerweile hat Instagram den Account "bischof.wilmer" gesperrt. Bereits im Februar habe Debenedetti nach der Wahl Wilmers zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz einen gefälschten "X"-Account Wilmers gestartet, zum ersten Mal hatte er Wilmer auf Twitter 2018 anlässlich dessen Ernennung zum Hildesheimer Bischof gefälscht. Er begründet die von ihm seit Jahren betriebenen Fälschungen mit dem Ziel, Medienkompetenz stärken zu wollen.
Sein Bekenntnis verbindet der Italiener mit einem Appell: "Ich habe dies getan, weil Bischof Wilmer keinen echten Account in den sozialen Medien hat. Ich denke, dass es gerade jetzt, da er zum Vorsitzenden der DBK und zum Bischof von Münster gewählt wurde, sehr nützlich und wichtig ist, dass Heiner Wilmer eine Präsenz in den sozialen Medien mit echten und verifizierten Konten aufbaut, um die Verbreitung von Falschmeldungen zu verhindern, wie es seinem Vorgänger als Vorsitzender, Georg Batzing, tatsächlich widerfahren ist", so Debenedetti, der auch für die erwähnten Bätzing-Fälschungen verantwortlich war. Falschmeldungen über den Tod des emeritierten Papstes Benedikt XVI. durch einen angeblich Bätzing gehörenden Twitter-Account wurden 2022 von verschiedenen Medien als wahr vermeldet.
Fälschungen auf weiteren sozialen Netzen angekündigt
"Gerade um auf die Notwendigkeit einer stärkeren Präsenz der Bischöfe in den sozialen Medien aufmerksam zu machen, habe ich beschlossen, meine Aktivität der Erstellung gefälschter Profile nicht nur auf "X", sondern auch auf Instagram und Bluesky fortzusetzen", so Debenedetti weiter. Seit mindestens 2010 erstellt er Fake-Accounts nicht nur von Bischöfen. Dabei ist das Vorgehen in der Regel immer gleich: Ein Account gibt vor, eine bekannte Persönlichkeit oder Institution zu sein, nach einigen unverfänglichen Inhalten folgt eine Todesmeldung über Prominente aus Politik, Kirche oder Literatur. Vor allem in der Anfangszeit wurden die falschen Todesmeldungen von überregionalen Medien bisweilen als wahr aufgegriffen.
Das einzige bekannte Foto des Social-Media-Hoaxers und selbsternannten Meisterfälschers Tommaso Debenedetti. Angeblich soll er in Rom leben.
Nach dem Tod von Papst Franziskus, den Debenedetti mehrfach zu dessen Lebzeiten schon vermeldet hatte, gab er Empfehlungen für eine Medienstrategie zum Konklave gegen Desinformation heraus, die allerdings nicht aufgegriffen wurden. Fälschungen Debenedettis sind in der Regel leicht zu erkennen: Sie verwenden nur offen im Internet verfügbares Bildmaterial der gefälschten Person und beschränken sich darauf, Name und Funktion der gefälschten Person zu nennen, teilweise mit ungenauen Titeln (z. B. "Bischof" statt "Erzbischof"), längere Äußerungen finden sich in der Regel nicht. Kein Beweis für Authentizität sind bekannte Follower und eine hohe Followerzahl: Accounts, die nicht von den Social-Media-Diensten gelöscht werden, verwendet Debenedetti weiter, sodass vor allem auf "X" Fakeaccounts teilweise vierstellige Followerzahlen haben. Kein Beweis für Authentizität sind blaue Haken auf "X", da sie nicht mehr nach einem Prüfverfahren vergeben werden, sondern gekauft werden können. Aufgrund des irreführenden Signals hat die EU-Kommission eine Millionenstrafe gegen "X" verhängt; Mitte März kündigte der Dienst an, seine Vergabepraxis zu verändern.
Falsche Accounts sollten über die jeweilige Funktion des verwendeten Dienstes gemeldet werden. Auf keinen Fall sollte man ihnen folgen, um ihnen keine zusätzliche Legitimität zu geben. Ob ein Account tatsächlich der Person gehört, die sie zu sein vorgibt, sollte über offizielle Kanäle wie die jeweiligen Pressestellen und Webseiten der zugehörigen Institutionen überprüft werden. (fxn)