Standpunkt

Ein leibhaftiger Osterglaube ist möglich – und nötig

Veröffentlicht am 10.04.2026 um 00:01 Uhr – Von Dominik Blum – Lesedauer: 

Bonn ‐ Warum zweifeln so viele Christen an der leibhaftigen Auferstehung Jesu Christi? Dominik Blum blickt auf Umfragen, Bibeltexte und Bert Brecht – und zeigt, was der Osterglaube heute wirklich bedeuten kann.

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Nur eine Minderheit der Christen, so war in der vergangenen Woche zu lesen, glaubt an die leibhaftige Auferstehung Jesu Christi. Laut der vorösterlichen Umfrage eines Erfurter Meinungsforschungsinstituts tun das 38 Prozent der Katholiken, auf evangelisch-landeskirchlicher Seite sind es 29 Prozent, in den Freikirchen 58 Prozent der Gläubigen. Übrigens: Die Zustimmung zum Ostergruß "Surrexit Christus vere!" nimmt mit dem Alter ab, nicht zu.

Was viele Christen und vielleicht auch einige Konfessionslose glauben, hat der große Sucher, Kriegsgegner und Kapitalismuskritiker Bert Brecht schon vor über 100 Jahren in seinem nachdenklichen "Epilog" zu Karfreitag beschrieben. Darin geht es um den "fremden Mann", der nach dem Karfreitag mit den enttäuschten Christen durchs Leben geht: "Sie waren traurig, weil Jesus gestorben war. / Aber einmal sagte einer: Es ist sonderbar. / Er starb für mich. Und starb ohne Sinn und Gewinn. / Daß ich auch nicht leben mag; daß ich einsam bin. / Sagte ein anderer: Er wußte wohl nicht, was uns frommt. / Sagte ein dritter: Ich glaube nicht, daß er wieder kommt. / Sie gingen gebeugt und schwer im letzten Licht. / Ein fremder Mann ging mit ihnen. Sie kannten ihn nicht."

Bevor beim Osterglauben hierzulande ganz die Lichter ausgehen, lesen wir doch die Evangelien in der Osteroktav. Dort begegnet der Auferstandene seinen Freundinnen und Jüngern als "Leibhaftiger". Das ist der Grund, warum sie ihn zunächst nicht erkennen, denn dieser neue Leib ist anders als der alte. Der Auferstandene ist keine wiederbelebte Leiche, kein Geist und kein Zombie, sondern neue Schöpfung. Die, denen er begegnet, können ihn anfassen, aber nicht festhalten. Er isst mit ihnen und trägt die Zeichen der Misshandlung bei der Kreuzigung. Aber – so beschreibt es das Johannesevangelium – fest verschlossene Türen sind kein Problem für ihn. Seine Jünger freuen sich, sind ratlos, wundern sich.

Was bedeuten diese Evangelien für den Osterglauben? Wer nach der "leibhaftigen" Auferstehung fragt, hat selbst mehr zu erklären, als empirische Zustimmung oder Ablehnung zu diesem Begriff angeblich beweisen. Der Auferstandene ist aber nicht nur ein nachdenklicher, unerkannter Wegbegleiter, der zur Selbstreflexion einlädt. Denn was Brecht seinen Lesern verschweigt: Der Dominus surrexit lässt sich leibhaftig sehen und erkennen – im Brotbrechen und in den Armen. Auch heute noch.

Von Dominik Blum

Der Autor

Dominik Blum ist Pfarrbeauftragter in der Katholischen Pfarreiengemeinschaft Artland im Bistum Osnabrück.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.