Regierungsstil "nicht immer ganz synodal"

Schönborn: Papst Franziskus war in vieler Hinsicht prophetisch

Veröffentlicht am 10.04.2026 um 13:31 Uhr – Lesedauer: 

Wien ‐ Vor knapp einem Jahr starb Papst Franziskus. Kardinal Schönborn würdigt seine zahlreichen Impulse für Kirche und Gesellschaft – auch, wenn sein eigener Regierungsstil "nicht immer ganz synodal gewesen" sei.

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Knapp ein Jahr nach dem Tod von Papst Franziskus (2013–2025) hat Kardinal Christoph Schönborn an dessen zentrale Impulse für Kirche und Gesellschaft erinnert. "Papst Franziskus war in vieler Hinsicht prophetisch", sagte der emeritierte Wiener Erzbischof der österreichischen Presseagentur "Kathpress". Als Beispiele nannte Schönborn die Option für die Armen, den interreligiösen Dialog, die Themen Frieden, Migration und Schöpfungsverantwortung sowie den synodalen Prozess in der katholischen Kirche und den Umgang mit geschiedenen Wiederverheirateten.

Franziskus habe vom ersten Moment seines Pontifikats an überrascht, erklärte Schönborn, etwa mit seinen ersten Auftritten. "Das sind alles Äußerlichkeiten, die natürlich etwas signalisieren." Seine Namenswahl – als erster Papst in der Geschichte nannte er sich nach dem heiligen Franz von Assisi – habe gezeigt, dass er "das Papsttum mit dem Geist des Franziskus erfüllen" wolle.

"Grundverständnis des Evangeliums"

Das erste Apostolische Schreiben von Franziskus, "Evangelii gaudium", würdigte Schönborn als große Programmschrift. Es handle sich um eine "hinreißende, mitreißende Schrift, in der Papst Franziskus sein ganzes Grundverständnis des Evangeliums kundgetan hat". Nicht umsonst habe auch Papst Leo XIV. gleich am Beginn seines Pontifikats auf dieses Dokument verwiesen "und damit auch den Ton angegeben für sein eigenes Pontifikat".

Im Blick auf den von Papst Franziskus angestoßenen synodalen Prozess in der katholischen Kirche sagte Schönborn, dass es in der Kirchengeschichte immer verschiedene Perioden gegeben habe. Manchmal sei das Papsttum stärker im Vordergrund gestanden, manchmal weniger. Eine überwältigend starke Papst-Persönlichkeit sei Johannes Paul II. gewesen, "so dass man manchmal schon den Eindruck haben konnte, die Kirche besteht vor allem aus dem Papst". Das sei jedoch nicht die Grundnatur der Kirche, "denn die ist synodal verfasst".

"Ein Mann starker Entscheidungen"

Papst Franziskus habe sehr stark an dieses Grundelement der Kirche erinnert, betonte Schönborn. Dabei müsse man jedoch einräumen, dass Franziskus' Regierungsstil "nicht immer ganz synodal" war. "Das darf man in großem Respekt sagen, weil er doch ein Mann starker Entscheidungen war, was auch für das Papsttum notwendig ist." Das Anliegen, die Kirche synodaler zu machen, sei bei Papst Leo in guten Händen, so der Kardinal.

Franziskus, der erste Papst aus Lateinamerika, war an Ostermontag 2025, dem 21. April, nach schwerer Krankheit verstorben. Ihm folgte mit Leo XIV., bürgerlich Robert Prevost, der erste Papst aus den Vereinigten Staaten. (KNA)