Vatikan dementiert: Keine Drohung der US-Regierung gegen Papst Leo XIV.
Hat die US-Regierung Papst Leo XIV. wegen seiner Kritik an von den USA geführten Militärschlägen gedroht? Entsprechende Medienberichte hat der Sprecher des Vatikans, Matteo Bruni, am Freitag zurückgewiesen. Bruni bestätigte zwar, dass der damalige Nuntius in den USA, Kardinal Christophe Pierre, Anfang des Jahres den Staatssekretär im Kriegsministerium Elbridge Colby "im Rahmen der regulären Aufgaben des päpstlichen Vertreters" getroffen habe. Aber: "Die Darstellung dieses Treffens durch einige Medien entspricht in keiner Weise der Wahrheit." Was tatsächlich besprochen wurde, teilte Bruni nicht mit.
Am Montag hatte das Trump-nahe Online-Medium "The Free Press" berichtet, dass Colby dem Kardinal dargelegt habe, dass die militärische Macht der USA so groß sei, dass sie in der Welt alles tun könnte. Von der Kirche habe der ranghöchste Berater von US-Kriegsminister Pete Hegseth verlangt, die US-amerikanische Außenpolitik bedingungslos zu unterstützen. Ein Beamter des Kriegsministeriums habe bei dem Gespräch die Möglichkeit eines neuen "Papsttums von Avignon" ins Spiel gebracht. Diese Zeit der "babylonischen Gefangenschaft der Kirche" bezeichnet die Ära von 1309 bis 1376/77, als sieben Päpste ihren Sitz im französischen Avignon hatten, wo sie unter Einfluss der französischen Krone standen.
Kardinal Pierre wies laut dem US-Botschafter beim Heiligen Stuhl die Berichte darüber zurück, was bei dem Treffen im Januar angeblich passiert sein soll.
Bereits am Donnerstag hatte das Kriegsministerium auf "X" die Berichte zurückgewiesen und das Treffen im Januar als "substanzielles, respektvolles und professionelles Gespräch" bezeichnet. Dabei seien eine Reihe von Themen besprochen worden, "darunter Fragen der Moral in der Außenpolitik, die Logik der US-amerikanischen Nationalen Sicherheitsstrategie, Europa, Afrika, Lateinamerika". Den Medienberichten widersprach das Ministerium deutlich: "Die jüngsten Berichte über das Treffen sind stark übertrieben und verzerrt. Das Treffen zwischen Vertretern des Pentagons und des Vatikans war eine respektvolle und sachliche Diskussion. Wir hegen nichts als höchste Wertschätzung und begrüßen den weiteren Dialog mit dem Heiligen Stuhl." Auch die US-Botschaft beim Heiligen Stuhl betonte, dass die Gerüchte nicht zuträfen. Kardinal Pierre habe gegenüber dem US-Botschafter Brian Burch das Treffen als "deutlich, aber sehr herzlich" und eine "normale Begegnung" bezeichnet.
Gespanntes Verhältnis
Das Verhältnis zwischen der US-Regierung und Papst Leo XIV. ist gespannt. Der Papst und sein Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hatten in den vergangenen Wochen wiederholt angemahnt, das Völkerrecht zunächst in Venezuela und Grönland sowie später im derzeitigen Nahostkrieg einzuhalten. Der Heilige Stuhl hat im Februar eine Beteiligung am "Friedensrat" für den Gaza-Streifen abgelehnt, den Präsident Donald Trump eingerichtet hat. Die US-Regierung hatte zudem gehofft, Papst Leo XIV. zu den Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli einladen zu können. Stattdessen wird Leo an diesem Tag die Mittelmeer-Insel Lampedusa besuchen.
Am Palmsonntag warb der Papst eindringlich um ein Ende der Kriege in der Welt, die niemals durch den christlichen Glauben zu rechtfertigen seien. "Das ist unser Gott: Jesus, der König des Friedens", so der Papst. "Ein Gott, der den Krieg ablehnt, den niemand dazu benutzen kann, um Krieg zu rechtfertigen", kritisierte er. Gott erhöre nicht das Gebet derer, die Krieg führen, denn ihre Hände seien voller Blut. Diese Aussage stieß auf deutliche Kritik seitens der Sprecherin der US-Regierung. Auf das Ultimatum Trumps hin, mit dem er am Ostersonntag dem Iran mit der Zerstörung "einer ganzen Zivilisation" gedroht hatte, äußerte sich der Papst ungewöhnlich deutlich. Die Drohung gegen das gesamte iranische Volk sei "nicht akzeptabel", sagte der Papst kurz vor Ablauf des Ultimatums am Dienstagabend. Er rief die Amerikaner auf, nicht nur zu beten, sondern aktiv zu werden. Sie sollten ihre Kongressabgeordneten kontaktieren und klarmachen, dass sie keinen Krieg wollten, sondern Frieden. (fxn)
