Papst Leo XIV. empfängt erstmals Präsident Macron
Papst Leo XIV. hat am Freitag zum ersten Mal den französischen Präsidenten Emmanuel Macron in Audienz empfangen. Beim anschließenden Austausch im vatikanischen Staatssekretariat sei es insbesondere um Konfliktsituationen weltweit gegangen, teilte der Vatikan danach mit. Die Gesprächspartner hätten die Hoffnung geäußert, dass durch Dialog und Verhandlungen ein friedliches Zusammenleben wiederhergestellt werden könne.
An den "herzlichen Gesprächen" mit Macron im Staatssekretariat nahmen Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und der vatikanische Außenminister Erzbischof Paul Richard Gallagher teil. Dabei seien auch die gute Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Frankreich hervorgehoben worden. Laut Medienberichten hielt sich Macron insgesamt fast zwei Stunden im Vatikan auf. An der Audienz bei dem vor gut elf Monaten gewählten Papst nahm auch First Lady Brigitte Macron teil. Aus dem Élysée-Palast hieß es zuvor, Ziel der Begegnung sei es, angesichts internationaler Krisen gemeinsam für den Frieden zu handeln.
Gespräche bei Hilfsorganisation Sant'Egidio
Macron und seine Entourage waren am Vormittag um 10 Uhr im Vatikan eingetroffen. Bereits am Donnerstagabend hatte er die katholische Gemeinschaft Sant'Egidio im römischen Stadtteil Trastevere besucht. Dort hatte er mit Sant'Egidio-Präsident Marco Impagliazzo sowie dessen Vorgänger Andrea Riccardi gesprochen, der die humanitäre Organisation 1968 gegründet hatte.
Nach deren Angaben ging es bei den Gesprächen unter anderem um den Krieg im Nahen Osten und die Rolle Europas. Macron, selbst Katholik, habe sich rund anderthalb Stunden bei Sant' Egidio sowie in der Basilika Santa Maria in Trastevere aufgehalten, wo sich die Gemeinschaft jeden Abend zum Gebet versammelt. Die Laiengemeinschaft engagiert sich weltweit in der Friedensvermittlung sowie für Migranten, obdachlose und sozial benachteiligte Menschen.
Macron und Leo XIV. kannten einander bereits
Macron und der heutige Papst sollen einander bereits bei Frankreichbesuchen von Leos Vorgänger Franziskus (2013–2025) in Marseille und Ajaccio begegnet sein. Leo XIV., damals Kardinal Robert Francis Prevost, reiste als Leiter des Bischofsdikasteriums mit. Bei der Einführungsmesse des gebürtigen US-Amerikaners am 18. Mai 2025 wurde Frankreich vom damaligen Premierminister François Bayrou vertreten.
Zwischen Frankreich und dem Heiligen Stuhl gibt es auch kontroverse Themen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Lebensschutz. Über die auf Betreiben Macrons erfolgte Aufnahme des "Rechts auf Abtreibung" in die französische Verfassung oder die aktuelle Debatte über Sterbehilfe bestehen divergierende Meinungen. – Die Begegnung fand kurz vor Leos Abreise am Montag nach Algerien statt. Die frühere französische Kolonie ist die erste Station seines Afrikabesuchs vom 13. bis 23. April. (KNA)
