Es brauche Konsens der ganzen Kirche

Kardinal Hollerich: Frauenweihe würde heute Kirche spalten

Veröffentlicht am 11.04.2026 um 13:07 Uhr – Lesedauer: 

Vatikanstadt ‐ Mit seinen Äußerungen zur Frauenweihe ließ Kardinal Jean-Claude Hollerich jüngst aufhorchen. In einem Interview hat er seine Aussage nun eingeordnet – und Gottvertrauen angemahnt.

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Der Luxemburger Kardinal Jean-Claude Hollerich sieht in der Frauenfrage das Potenzial für eine Spaltung der katholischen Kirche. "Eine Weihe der Frauen auch zur Diakonin würde heute die Kirche spalten", sagte Hollerich in einem Interview mit "Vatican News" (Freitag). Der Kardinal zog eine Parallele zur anglikanischen Kirche, wo die Wahl von Sarah Mullally zur Erzbischöfin von Canterbury dafür gesorgt habe, dass eine Reihe von Kirchen aus der Gemeinschaft mit der anglikanischen Kirche ausgetreten seien. "Und das würde auch in der katholischen Kirche passieren. Zugang zum Weiheamt kann nur durch einen Konsensus der ganzen Kirche geschehen."

Anlass für das Gespräch waren Äußerungen des Kardinals bei einem Symposium der Universität Bonn im März. Dabei hatte Hollerich erklärt: "Ich kann mir auf Dauer nicht vorstellen, wie eine Kirche bestehen kann, wenn die Hälfte des Volkes Gottes leidet, weil sie keinen Zugang zum geweihten Dienst hat." Im Interview erklärte der Geistliche nun, dass bei der Weltsynode viele Frauen den Wunsch nach einer Zulassung zum Diakonat geäußert hätten. Hollerich betonte aber die Dauer dieses Prozesses.

"Das möchte ich dem Heiligen Geist überlassen"

Auf die Frage, welchen Zeitraum für ein weltkirchliches Voranschreiten in der Frauenfrage er annehme, sagte Hollerich: "Das möchte ich dem Heiligen Geist überlassen." Bei der Weltsynode, dessen Generalrelator der Kardinal war, habe er gespürt, wie der Geist gewirkt habe. "Und ich habe Vertrauen, wenn Gott das möchte, dann wird auch der Heilige Geist die Herzen in anderen Kulturen berühren. Da, glaube ich, brauchen wir eine gute Portion Gottvertrauen."

Die Enttäuschung vieler Katholikinnen über den Stillstand der Kirche beim Thema Frauendiakonat könne er verstehen. Er wolle alles dafür tun, "damit Frauen in der Kirche mehr Akzeptanz haben an leitenden Stellen", erklärte der Kardinal. "Ich glaube, dass es jetzt darauf ankommt, alles zu tun, was man für Frauen tun kann – außerhalb der geweihten Dienste." Dass Frauen an Positionen seien, wo sie "auch an den großen Entscheidungen" der Kirche mitwirken könnten, scheine ihm "nur normal zu sein". (cbr)