US-Präsident Trump übertönt Beginn der Papstreise nach Afrika
Eigentlich sollen Papst-Reisen den Fokus der Weltöffentlichkeit für eine Weile verschieben – auf die politische, soziale und religiöse Situation eines bestimmten Landes. Und eigentlich sollte zu Beginn des ersten Besuchs eines Papstes überhaupt in Algerien der Dialog mit dem Islam im Zentrum stehen. Doch schon vor dem regnerisch-windigen Empfang in Algier übertönte US-Präsident Donald Trump diese Anliegen.
In der Nacht auf Montag kritisierte er seinen Landsmann Leo XIV. in bislang ungekannter Schärfe, bezeichnete den Papst unter anderem als schwach im Umgang mit Kriminalität und eine Katastrophe in der Außenpolitik. Überhaupt wäre der Augustiner-Ordensmann ohne die Präsidentenwahl Trumps nie zum Papst gewählt worden – man suchte angeblich einen US-Amerikaner im Vatikan für den Umgang mit Trump – und Leo sollte sich als Papst zusammenreißen.
Überraschend konkrete Papst-Reaktion
Das Timing dieser Ansage stellte sich als perfekt heraus, denn nur selten haben Journalisten die Möglichkeit, beim Papst eine direkte Reaktion zu erfragen. Knapp 70 von ihnen saßen am Montagmorgen mit Leo XIV. im Flugzeug, um seine elftägige Reise auf den afrikanischen Kontinent medial zu begleiten. "Wir müssen immer Wege finden, um Frieden und Versöhnung zu fördern", mehr sagte der 70-Jährige zunächst nicht in seiner Begrüßungsansprache.
Doch wurde er überraschend konkret bei den persönlichen Treffen mit den anwesenden Journalisten – beantwortete auf Englisch und Italienisch die stets gleiche Frage nach seiner Reaktion. "Ich habe keine Angst vor der Trump-Regierung und scheue mich nicht, die Botschaft des Evangeliums laut zu verkünden." Diese Botschaft sei sehr klar: "Gesegnet sind die Friedensstifter!" Weiter betonte er, dass er kein Politiker sei und die Außenpolitik aus einer anderen Perspektive als vielleicht Trump sieht.
US-Präsident Donald (r.) hat in den vergangenen Tagen vor allem auf Social Media den Konflikt mit Papst Leo XIV. gesucht.
Während der US-Präsident in den USA vermutlich noch schlief, absolvierte Leo XIV. das geplante Reiseprogramm in der algerischen Hauptstadt – und predigte weiter Frieden. "In einer Welt voller Konflikte und Missverständnisse wollen wir einander begegnen und versuchen, einander zu verstehen, in der Erkenntnis, dass wir eine einzige Familie sind!", appellierte er an die politischen Verantwortlichen des Landes. Diese wiederum seien nicht dazu bestimmt, zu beherrschen, sondern dem Volk und seiner Entwicklung zu dienen.
Diese Kritik an der autoritären Regierung Algeriens trug Leo XIV. direkt vor Staatschef Abdelmadjid Tebboune (80) vor. "Das politische Handeln hat seinen Maßstab also in der Gerechtigkeit, ohne die es keinen wahren Frieden gibt, und es findet seinen Ausdruck in der Förderung gerechter und würdiger Lebensbedingungen für alle", ging Leo XIV. auch auf die soziale und wirtschaftliche Lage Algeriens ein. Diese ist in dem ressourcenreichen Land angespannt, die Arbeitslosigkeit insbesondere unter jungen Menschen hoch.
"Absurde Polarisierungen dürfen uns nicht erschrecken"
Weiter kritisierte Leo zunehmend sichtbar werdende Gegensätze zwischen Fundamentalismus und Säkularisierung – weltweit und auch im mehrheitlich muslimischen Algerien. Dadurch verlören viele das rechte Gespür für Gott und die Würde all seiner Geschöpfe. "Dann können religiöse Symbole und Worte einerseits zu gotteslästerlichen Ausdrucksformen von Gewalt und Unterdrückung werden, und andererseits zu bedeutungslosen Zeichen auf dem großen Markt eines Konsums, der nicht sättigt."
Der Papst forderte: "Diese absurden Polarisierungen dürfen uns jedoch nicht erschrecken." Und das klang ein wenig nach der Beschreibung seines Umgangs mit der harschen Kritik des US-Präsidenten.
