Letztes Tabu gebrochen

Theologe Faggioli: Papst-Attacke ist Anfang vom Ende Trumps

Veröffentlicht am 14.04.2026 um 12:21 Uhr – Lesedauer: 

Rom ‐ Die Kritik von Donald Trump an Papst Leo XIV. bewegt weiter die Gemüter. Theologe Massimo Faggioli sieht in dem Vorfall den Anfang vom Ende der Trump-Regierung. Leo habe den US-Präsidenten aus der Reserve gelockt.

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Der italienische Theologe und Historiker Massimo Faggioli hält die Attacke von US-Präsident Donald Trump gegen Papst Leo XIV. für einen möglichen Wendepunkt in der Karriere Trumps. Der katholischen Tageszeitung "Avvenire" (Dienstag) sagte Faggioli, der verbale Angriff auf den Papst markiere "wahrscheinlich den Anfang vom politischen Ende" für den US-Präsidenten.

Faggioli erinnerte daran, dass Reden des Papstes und markante Interventionen mehrerer US-amerikanischer Kardinäle gegen die Migrationspolitik und gegen die Kriegsführung die Widersprüche von Trumps Politik offengelegt hätten. Seit Jahresbeginn habe die Politik Trumps klar neokoloniale Züge angenommen, deshalb habe Leo nicht mehr schweigen können.

Damit habe er Trump aus der Reserve gelockt, und dieser habe mit seinen Ausfälligkeiten den Anfang von seinem Ende besiegelt. Die frühere Allianz konservativer christlicher Wähler mit der "Techno-Rechten" um Elon Musk und Peter Thiel sei zerbrochen. Dieser Flügel verfolge klar anti-religiöse Projekte.

Aufstand der religiösen Rechten?

Weiter erklärte Faggioli, Trump habe zwar viele politische Krisen und ein Attentat überlebt. Aber mit dem Angriff auf den Papst habe er ein letztes Tabu gebrochen. Nun verstehe die religiöse Rechte, dass sie vom Trumpismus lediglich benutzt worden sei. Die rechtsintellektuelle Elite könne nach einer Phase der Schockstarre den Weg in die Rebellion gegen Trump gehen, so die Prognose des Historikers.

Faggioli hat von 2009 bis 2025 an verschiedenen Universitäten in den USA jüngere Kirchengeschichte gelehrt. Seit 2025 ist er Professor am Trinity College in Dublin. (KNA)