Washingtoner Kardinal: Nur Gebet allein genügt nicht gegen Trump
Der Washingtoner Kardinal Robert McElroy fordert dazu auf, über das Gebet hinauszugehen. Es genüge nicht, nur zu sagen, dass gebetet wurde – man müsse auch handeln, so der Erzbischof der US-Hauptstadt bei einer Gebetsvigil für den Frieden am Samstag in der Washingtoner Kathedrale. Weltweit wurden Friedensgottesdienste abgehalten, zu denen der Papst zuvor aufgerufen hatte.
In diesem Zusammenhang sagte McElroy: "Als Bürger und Gläubige dieser Demokratie, die wir so sehr schätzen, müssen wir uns bei unseren Abgeordneten für den Frieden einsetzen." Denn es sei durchaus möglich, so der Kardinal, dass die Verhandlungen aufgrund Unnachgiebigkeiten einer oder beiden Seiten scheitern und "unser Präsident diesen unmoralischen Krieg wieder aufnimmt." Diesbezüglich müssten Christen laut und einmütig "Nein" sagen: "Nicht in unserem Namen. Nicht jetzt. Nicht mit unserem Land", erklärte der Kardinal.
Kritik von Kardinälen
Zuvor hatte McElroy am Wochenende gemeinsam mit den Kardinälen Blase Cupich (Chicago) und Joseph Tobin (Newark) in der Sendung "60 Minutes" des US-Senders CBS erklärt, Papst Leo XIV. habe ihn dazu inspiriert, sich zu politischen Fragen zu äußern. Die Frage eines gerechten Krieges verneinte McElroy: Nach katholischer Lehre brauche es bestimmte Voraussetzungen und ein klares Ziel, etwa die Wiederherstellung von Gerechtigkeit und Frieden. Cupich kritisierte zudem die Darstellung des Krieges in sozialen Medien: "Es ist widerlich, Filmszenen mit realen Bombenangriffen und gezielten Tötungen von Menschen zu Unterhaltungszwecken zusammenzuschneiden. So sind wir nicht. Wir sind besser als das."
Auch der bekannte US-Jesuit James Martin äußerte sich am Montag in der italienischen Tageszeitung "La Repubblica". Papst Leo sei nicht "anti-Trump", sondern vielmehr für Jesus – und dieser sei in seinem Wunsch nach Frieden eindeutig. Martin verwies auf die Seligpreisungen und betonte, Jesus habe nicht gesagt, selig seien die Kriegstreiber, sondern die Friedensstifter. "Man braucht keinen Doktortitel im Neuen Testament, um Jesu Wunsch nach Frieden zu verstehen", so Martin. Die Tatsache, dass Leo Amerikaner sei, bedeute, dass er die US-Politik besser verstehe als seine Vorgänger, so der Jesuit. Dies sei jedoch keine Kritik an seinen Vorgängern. Eine Folge davon sei, dass US-Politiker nicht mehr sagen könnten, sie müssten nicht auf den Papst hören, weil er die Vereinigten Staaten nicht verstehe – wie sie es bei Franziskus taten. (mtr)
