Barcelonas Kardinal erreicht Altersgrenze

Warum Spanien bald nur noch einen Papstwähler hat

Veröffentlicht am 15.04.2026 um 00:01 Uhr – Von Alexander Brüggemann (KNA) – Lesedauer: 

Bonn/Rom ‐ Wenn Barcelonas Kardinal Juan José Omella Omella in wenigen Tagen sein 80. Lebensjahr vollendet, wird Spanien nur noch einen einzigen Papstwähler haben. Die späte Rache eines Argentiniers an der einstigen Kolonialmacht?

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Dass für den verstorbenen Papst Franziskus (2013–2025) das "Kardinäle-Machen" ein zentrales Mittel seiner Politik war, ist kein Geheimnis. Tatsächlich wählten seine Kardinäle von den Rändern der Weltkirche ja am Ende keinen Vertreter des alten europäisch-italienischen Establishments – sondern einen US-Ordensmann mit weitem weltkirchlichem Horizont, den Franziskus über viele Jahre beobachtete und dann von langer Hand aufgebaut hat: als Bischof in Peru und später Leiter der vatikanischen Bischofsbehörde.

In fast jedem vollen Jahr seiner zwölfjährigen Amtszeit hat Franziskus neue Kardinäle ernannt; 149 insgesamt. Und Kardinäle, so legte Paul VI. 1970 fest, verlieren mit Erreichen der Altersgrenze von 80 Jahren ihr Stimmrecht bei der Papstwahl. Die Zusammensetzung des Wahlgremiums kann sich also binnen weniger Jahre gründlich ändern.

Kardinäle kommen und gehen

Kardinäle kommen und gehen – und wer als Papst seinen Kurs über die eigene Amtszeit hinaus fortgesetzt wissen will, muss auch den Kreis der Wähler in seinem Sinne prägen, damit das kirchenpolitische Pendel vorerst nicht in die andere Richtung ausschlägt.

Papst Franziskus setzt Kardinal Protase Rugambwa das Birett auf
Bild: ©KNA/Lola Gomez/CNS photo (Archivbild)

Papst Franziskus kreierte in seiner Amtszeit viele Bischöfen aus Ländern zu Kardinälen, die zuvor nie auch nur in die Nähe eines Kardinalshutes gekommen waren.

Der Argentinier Franziskus ließ viele traditionell sichere Bischofssitze für das Kardinalskollegium außen vor. Dafür gab er Bischöfen aus Ländern den Purpur, die noch nie auch nur in die Nähe eines Kardinalshutes gekommen waren: Tonga statt Paris, Kapverden statt Venedig, die Mongolei statt Mailand.

Das Wahlmännergremium ist also an den Rändern derzeit ziemlich ausgefranst. Doch die Rechnung des Papstes "vom Ende der Welt", wie er sich 2013 selbst vorstellte, ist aufgegangen: Ein "Franziskus-Mann" wurde sein Nachfolger – auch wenn Robert Prevost/Leo XIV. die Schalthebel des Vatikans deutlich behutsamer handhabt als sein einstiger Förderer.

Zahl der potenziellen Papstwähler bald unter 120

Dieser Tage fällt die Zahl der potenziellen Papstwähler erstmals seit langem wieder unter 120 – was Johannes Paul II. (1978–2005) einst als Obergrenze festgelegt hatte. Mit Fernando Filoni am 15. April und Francesco Montenegro am 22. Mai verlieren zwei weitere Italiener ihr Stimmrecht im Konklave; hinzu kommt Juan José Omella Omella aus Barcelona, der am 21. April sein 80. Lebensjahr vollendet.

Jose Cobo Cano, Erzbischof von Madrid (Spanien)
Bild: ©Cristian Gennari/Romano Siciliani/KNA (Archivbild)

Jose Cobo Cano ist als Erzbischof von Madrid demnächst der vorerst letzte spanische Kardinal, der jünger als 80 Jahre ist.

Letzteres wirft ein weiteres Schlaglicht auf die Kardinalspolitik von Franziskus: Zwar hat Spanien elf Kardinäle und damit die drittmeisten weltweit nach Italien (58) und den USA (17). Doch nach und nach sind Spaniens Purpurträger aus dem Wahlalter herausgewachsen. Mit Omellas Geburtstag wird die katholische Nation, die Leo XIV. im Juni besucht, nur noch einen einzigen Papstwähler haben: José Cobo Cano (60), seit 2023 Erzbischof von Madrid.

Wie konnte das passieren? Fehlende Umsicht beim Nuntius in Spanien oder in der vatikanischen Bischofsbehörde unter Robert Prevost, jetzt Leo XIV.? Ein Versehen von Franziskus? Oder gar eine späte Rache des stolzen Argentiniers an der einstigen Kolonialmacht Lateinamerikas? Am Ende kann man nur spekulieren.

Deutschland stagniert seit 2014 bei drei Wählern

Das Phänomen ist jedenfalls keineswegs singulär. Das urkatholische, aber von Missbrauchsskandalen schwer gebeutelte Irland ist schon seit 2019 ohne jeden Papstwähler. Ebenso Großbritannien, das einst die Meere und die halbe Welt beherrschte. Und wenn auch London vielleicht keine wirklich zentrale Drehscheibe der katholischen Weltkirche mehr ist – Wien als einstige Hauptstadt der k. u. k. Monarchie ist es auf jeden Fall. Doch auch Österreich ist seit Anfang 2025 ohne Stimmrecht für die Papstwahl. Deutschland stagniert seit 2014 bei drei Wählern.

In der Summe kann man wohl festhalten: Papst Leo XIV. hat Anlass und Möglichkeit, demnächst erstmals eigene Akzente bei der Zusammensetzung seines Senats zu setzen. Und die behutsame Art, mit der er seither einigen eher brachialen Maßnahmen seines Vorgängers entgegengesteuert hat, lässt vermuten, dass bald auch die traditionellen Kardinalssitze wieder vermehrt zum Zug kommen werden.

Von Alexander Brüggemann (KNA)