Er taufte Dutzende Asteroiden nach Jesuiten: Nun wird er selbst geehrt

Der litauische Astronom, der Dutzende von Himmelskörpern nach Jesuiten und anderen Kirchenleuten benannt hat, wird nun selbst mit einem Asteroiden geehrt. Ein Himmelskörper im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter wurde nun nach Kazimieras Černis benannt. Das geht aus dem jüngsten Bulletin (Nr. 6/2026) der Arbeitsgruppe für die Benennung kleiner Himmelskörper der Internationalen Astronomischen Union (IAU) hervor. Außerdem wurden ein Jesuit, ein Oratorianer und ein Philosoph, der sich um den Dialog von Wissenschaft und Theologie verdient gemacht hat, mit Asteroidennamen geehrt.
Der 1958 geborene Astronom Černis arbeitet am Institut für theoretische Physik und Astronomie der Universität Vilnius und forscht zu stellarer Photometrie, interstellaren Staubwolken und insbesondere zur Vermessung von kleinen Himmelskörpern im Sonnensystem. Den Angaben der IAU zufolge hat er zur Entdeckung vieler Kometen und hunderter Asteroiden beigetragen. Dass nun ein Asteroid nach ihm benannt wird, hat der venezolanische Astronom Orlando A. Naranjo in die Wege geleitet, der Astrophysik an der 1785 als Priesterseminar gegründeten Universidad de Los Andes in Mérida lehrt.
Die weiteren neu nach Wissenschaftlern mit Bezug zur Religion benannten Himmelskörper tragen nun die Namen des belgischen Jesuiten Florent Constant Bertiau (1919–1995), des italienischen Oratorianerpriesters Giuseppe Lais (1845–1921) sowie des litauischen Philosophen Saulius Kanišauskas (geboren 1945). Alle drei Asteroiden wurden von Černis kartographiert, der damit das Recht hat, der zuständigen IAU-Arbeitsgruppe Namen vorzuschlagen. Die neu benannten Asteroiden heißen nun offiziell "(688696) Bertiau", "(836955) Lais", "(262284) Kanišauskas" und "(29692) Černis".
Ein Jesuit, ein Oratorianer und ein Philosoph
Der Jesuit Bertiau arbeitete an der vatikanischen Sternwarte und gründete dort 1965 deren Datenzentrum. Damit war er ein Pionier der rechnergestützten Datenanalyse. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehörten die Verschmutzung des Himmels und Sternverteilungen in der Milchstraße.
Der Oratorianer Lais war eine Schlüsselfigur bei der Einrichtung der vatikanischen Sternwarte und 30 Jahre lang ihr stellvertretender Direktor. Bei der international koordinierten Kartographierung des Nachthimmels im Rahmen des Projektes "Carte du Ciel" war er federführend beteiligt.
Oberhalb des Albaner Sees südöstlich von Rom liegt Castel Gandolo mit der Kirchenkuppel und den Kuppeln der vatikanischen Sternwarte. Viele der dort forschenden Jesuiten wurden schon mit Asteroidennamen geehrt.
Der Philosoph Kanišauskas war Direktor des Planetariums in Vilnius und hat sich um die Wissenschaftsvermittlung verdient gemacht. Zu seinen zahlreichen Veröffentlichungen gehören auch Werke über das Verhältnis von Wissenschaft und Religion.
Nicht nur Kirchenleute mit wissenschaftlicher Expertise
Aufgrund des Engagements der Jesuiten für die Weltraumforschung führen die Mitglieder dieses Ordens mit etwa 50 Personen die Liste der mit Asteroidenbenennungen geehrten Kirchenleute an. Aber auch kirchliche Persönlichkeiten ohne astronomische Meriten wurden bereits geehrt, im Januar etwa die heilige Faustyna und die ebenfalls polnische Ordensfrau Ursula Ledóchowska.
Die Benennung von Asteroiden ist ein mehrstufiger Prozess. Ein neuer Himmelskörper wird registriert, wenn er von einem Beobachter an zwei aufeinanderfolgenden Nächten beobachtet wird. Die Sichtungen müssen dann dem "Minor Planet Centre" der IAU gemeldet werden, das eine provisorische Identifikationsnummer vergibt. Anschließend werden frühere Sichtungen von bislang unidentifizierten Himmelskörpern mit der neuen Sichtung abgeglichen, eventuelle Doppelungen werden zusammengeführt. Sobald aus den Daten eine genaue Umlaufbahn ermittelt werden kann, erhält der Asteroid eine permanente Nummer. Das Recht, einen Namen auszuwählen, kommt dem Forscher zu, der genügend Daten für die Berechnung des Orbits geliefert hat, also nicht notwendig dem ersten Entdecker. Der Namensvorschlag wird dann von der Arbeitsgruppe für die Benennung kleiner Himmelskörper geprüft und schließlich offiziell veröffentlicht. (fxn)