Mythos, der fundamentale Wahrheiten ausdrückt

Papst-Astronom: Schöpfung und Naturwissenschaft kein Widerspruch

Veröffentlicht am 25.03.2026 um 12:29 Uhr – Lesedauer: 

Castel Gandolfo ‐ Glauben und Wissenschaft stehen nicht im Widerspruch – davon ist der Leiter der Vatikanischen Sternwarte überzeugt. Pater Richard D'Souza sieht darin zwei Wege, die Wirklichkeit zu erkennen.

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Zwischen der Schöpfungserzählung der Bibel und den Erkenntnissen der Naturwissenschaft sieht der Leiter der Vatikanischen Sternwarte, Pater Richard D'Souza, keinen Widerspruch. Die Schöpfungsgeschichte im Buch Genesis sei nicht wörtlich zu verstehen, sagte der Jesuit im Interview mit "Christ & Welt" (Donnerstagsausgabe). Das richtige Verständnis der Genesis sei im absoluten Einklang mit der Wissenschaft: "Sie ist ein Mythos, der fundamentale theologische Wahrheiten ausdrückt: Gott schuf das Universum aus dem Nichts, Schritt für Schritt, und seine Schöpfung war gut. Die Krone der Schöpfung ist der Mensch, geschaffen nach seinem Bilde."

Als Astrophysiker spielt für D'Souza Gott als Erklärung für natürliche Phänomene keine Rolle: "Mein Gott ist kein Lückenfüller für alles Unerklärbare." Die wissenschaftliche Methode habe ihre Grenzen. Es sei aber eine falsche Erwartung, "dass Metaphysik und Religion hier auf dieselbe Weise Antworten bieten können, wie es die Wissenschaft tut". Religion helfe aus einer menschlichen Perspektive heraus, die Welt zu verstehen: "Religion bietet Sinn und Hoffnung, sie beantwortet keine wissenschaftlichen Rätsel."

Er selbst suche am Nachthimmel nicht nach göttlichen Zeichen. Gott spreche zwar durch Zeichen, das Zeichen sei aber nicht die Botschaft: "Der Stern von Bethlehem ist nicht wichtig an und für sich, sondern weil er zum Messias weist." Gott hätte auch jede andere Form verwenden können, um auf die Geburt Jesu zu verweisen. Der Jesuit sei deshalb vorsichtig, was er im Teleskop sehe, als Zeichen Gottes zu deuten. "Man kann Gott nicht durch ein Teleskop sehen", betonte D'Souza.

Skepsis gegenüber Mars-Besiedelung

Sorgen macht sich der Astronom über Pläne, den Mars zu besiedeln. Es liege zwar noch in weiter Zukunft, den Mars als Ganzes so umzuformen, dass dort menschliches Leben möglich sei. Noch zu seinen Lebzeiten rechnet der 47-Jährige aber mit einer ersten menschlichen Siedlung auf dem Nachbarplaneten der Erde. D'Souza sieht die Gefahr, dass dadurch die bisher unberührte Umgebung des Mars verschmutzt wird: "Wir können uns nicht einmal um unsere Erde kümmern und wollen das Schicksal eines anderen Planeten riskieren! Wir haben eine Verantwortung gegenüber der Schöpfung, ob auf der Erde oder auf anderen Planeten."

Leben auf anderen Planeten hält der Jesuit angesichts von Milliarden von Sternensystemen für wahrscheinlich und zeigte sich zuversichtlich, dass in den nächsten Jahrzehnten Beweise dafür gefunden werden – wenn auch wahrscheinlich nicht für intelligente Lebewesen, mit denen die Menschheit in Kontakt treten könne. Sicher ist für ihn: "Auch diese Lebewesen, wie auch immer sie aussehen, wären Geschöpfe Gottes."

Der indische Astronom und Ordensmann Richard D'Souza ist seit 2025 Leiter der Vatikanischen Sternwarte. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Entstehung und Entwicklung von Galaxien. Der aus dem westindischen Bundesstaat Goa stammende D'Souza wuchs in Kuwait und Indien auf und studierte zunächst in seinem Heimatland. Seinen Master in Physik erwarb er in Heidelberg, später wurde er an der Ludwig-Maximilian-Universität in München in Astronomie promoviert. In den Jesuitenorden trat D'Souza 1996 ein. Er gehört zu den über 50 Jesuiten, die mit der Benennung eines Asteroiden geehrt wurden: Sein Himmelskörper trägt den Namen "671271 Richardadsouza". (fxn)