Jesuit sieht Verschiebung im Ton

Batlogg: Kein Bruch zwischen Franziskus und Leo

Veröffentlicht am 17.04.2026 um 15:58 Uhr – Lesedauer: 

Münster ‐ Andreas R. Batlogg schrieb Bücher über Papst Franziskus sowie eine der ersten Biografien über Papst Leo XIV. Nun hat er auf das Vermächtnis von Franziskus geblickt und einen Vergleich zwischen beiden Päpsten gezogen.

  • Teilen:

Der Jesuit Andreas R. Batlogg sieht keinen Bruch zwischen Papst Leo und dessen Vorgänger Franziskus. Vielmehr handele es sich um eine Verschiebung im Ton, sagte Batlogg dem Portal "Kirche und Leben" am Freitag. Inhaltlich würden zahlreiche Linien fortgeführt. Dazu zählten Synodalität, soziale Fragen und die globale Perspektive. "Franziskus hat Türen aufgestoßen, und Leo beginnt nun, die Räume dahinter zu ordnen", so Batlogg, der mehrere Bücher über Papst Franziskus verfasste. Von ihm stammt auch eine der ersten Biographien über Papst Leo XIV.

Mit Blick auf mögliche innerkirchliche Spaltungen während des Pontifikats von Franziskus sagte der Jesuit, es habe nicht nur hinter den Kulissen offenen Widerstand gegeben. "Franziskus hat die Kurie immer wieder brüskiert, mitunter auch bewusst provoziert. Das blieb nicht folgenlos", erklärte Batlogg. Der Argentinier sei kein Mann der Apparate gewesen, sondern habe auf persönliche Kontakte und direkte Kommunikation gesetzt.

Widerstand unter Kardinälen

Der Widerstand unter Kardinälen und Bischöfen sei "teils beträchtlich" gewesen, sagte Batlogg weiter. Als Beispiel nannte er die Amazonassynode. Dort habe Franziskus kurz davor gestanden, beim Pflichtzölibat einen Schritt weiterzugehen. "Dann gab es massiven Gegenwind. Und er bremste", so Batlogg. Ähnlich sei es bei der Weltsynode gewesen, aus der ein offener Prozess geworden sei. Dadurch seien Unschärfen entstanden, zugleich aber auch neue Räume eröffnet worden. "Diese Räume müssen jetzt gefüllt werden", sagte der Jesuit.

Das Verhältnis zwischen Rom und Deutschland unter Franziskus bezeichnete Batlogg als ambivalent. Franziskus hätten Glaubensverlust, hohe Austrittszahlen und zugleich eine gute Organisation irritiert. Hinzu seien Missverständnisse gekommen, etwa beim deutschen Reformprojekt, dem Synodalen Weg. Zugleich dürfe nicht vergessen werden, dass der Fokus des früheren Papstes stark auf anderen Weltregionen gelegen habe – insbesondere auf Lateinamerika, Afrika und Asien. "Dort verortete er die Zukunft der Kirche. Europa rückte in den Hintergrund", so Batlogg. (KNA)