Dritte Station der Afrika-Reise

Papst Leo XIV. beklagt Ausbeutung und Knechtschaft in Angola

Veröffentlicht am 18.04.2026 um 19:17 Uhr – Lesedauer: 

Luanda ‐ Halbzeit beim Afrikabesuch des Papstes: Am Samstag reiste Leo XIV. von Kamerun nach Angola weiter. Und fand dort klare Worte gegen Ausbeutung und Egoismus der Eliten.

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Leo XIV. ist am Samstag von Kamerun nach Angola weitergereist. Am sechsten Tag seiner elftägigen Afrika-Reise traf er nach der Landung am internationalen Flughafen nahe der Hauptstadt Luanda Präsident Joao Lourenco. Im Präsidentenpalast fand auch eine Begegnung mit Behörden, Zivilgesellschaft und Diplomatischem Corps des Landes statt.

Bei dem Treffen mit Vertretern von Regierung, Zivilgesellschaft und Diplomaten sagte Leo XIV., das Volk von Angola besitze "innere Schätze, die weder verkäuflich noch raubbar sind". Angola sei allzu oft Opfer von Ausbeutung geworden. Das Kirchenoberhaupt rief die heutigen politischen Akteure, die eine Entwicklung des Landes behinderten, zur Umkehr auf. Mächtige Interessen streckten sich nach dem Rohstoffreichtum Angolas aus. "Wie viel Leid, wie viele Tote, wie viele soziale und ökologische Katastrophen bringt diese ausbeuterische Logik mit sich."

Gemeinwohl in den Vordergrund stellen

Eindringlich plädierte der Papst für ein pluralistisches Gesellschaftsmodell und sagte: "Fürchten Sie sich nicht vor Meinungsverschiedenheiten, seien Sie in der Lage, Konflikte zu bewältigen und sie in Wege der Erneuerung zu verwandeln. Stellen Sie das Gemeinwohl über das Partikularinteresse und verwechseln Sie niemals Ihren Teil mit dem Ganzen."

Abschließend rief Leo XIV. die politischen und gesellschaftlichen Akteure auf, "Angola zu einem Projekt der Hoffnung zu machen". Die katholische Kirche wolle ihren Teil dazu beitragen und ein "Zusammenleben fördern, das frei ist von den Arten der Knechtschaft, die von Eliten mit viel Geld und falschen Freuden aufgezwungen werden. Nur gemeinsam werden wir die Gaben dieses wunderbaren Volkes vervielfachen können".

Bild: ©picture alliance/dpa | Christoph Sator (Archivbild)

Kurz vor seinem Abflug aus Kamerun feierte der Papst noch eine große Messe.

Die einstige portugiesische Kolonie im Südwesten Afrikas ist das dritte von vier Ländern auf der Reiseroute des Papstes. Seine erste große Messe in Angola ist für Sonntagvormittag in Kilamba im Süden der Hauptstadt Luanda geplant.

In Kamerun hatte das Kirchenoberhaupt am Samstagvormittag eine Messe am Flughafen der Hauptstadt Yaoundé gefeiert. Daran nahmen auf dem Flughafengelände und in der Umgebung rund eine halbe Million Menschen teil, wie der Vatikan unter Berufung auf die örtlichen Behörden mitteilte.

Option für die Armen bekräftigt

In seiner Predigt beim Gottesdienst in Yaoundé bestätigte Leo XIV. eine zentrale Soziallehre seines Vorgängers Franziskus: die "vorrangige Option der Kirche für die Armen". Ausdrücklich betonte er, dass mehr gefordert sei als gute Taten einzelner Menschen. Es gehe auch darum, dass politische und gesellschaftliche Strukturen den Kampf gegen Armut und für Gerechtigkeit unterstützten. Gesellschaftliche und politische Institutionen müssten Werkzeuge für das Gemeinwohl sein – und nicht Schauplätze von Konflikten, Eigeninteressen oder fruchtlosen Kämpfen.

Theologisch begründete der Papst, der als Missionar und Bischof lange in Peru gearbeitet hat, dies mit den Worten: "Im Übrigen hat sich Gott, indem er Mensch wurde, mit den Geringsten identifiziert, und dies macht die vorrangige Sorge für die Armen zu einer grundlegenden Option unserer christlichen Identität, wie Papst Franziskus mehrfach betont hat."

Die "Option für die Armen" hatten die Bischöfe Lateinamerikas bei ihren historischen Versammlungen in Medellín (1968) und Puebla (1979) aus der linken Befreiungstheologie übernommen. Die Frage, inwieweit sich die Kirche auch in Fragen der Politik und der sozialen Gerechtigkeit einmischen sollte, spielt auch in den gegenwärtigen Konflikten zwischen dem Weißen Haus und dem Vatikan eine wichtige Rolle. (KNA)