Jung und engagiert

17 und Pfarrgemeinderats-Chef: Wie Lukas Brunnhuber die Kirche belebt

Veröffentlicht am 24.04.2026 um 00:01 Uhr – Von Matthias Altmann – Lesedauer: 
Lukas Brunnhuber
Bild: © Tine Limmer

Hart an der Alz ‐ Ein Teenager mischt die Kirche auf: Mit vielen Ideen und Aktionen hat Lukas Brunnhuber neues Leben in eine bayerische Pfarrei gebracht. Nun hat er noch mehr Verantwortung übernommen – nicht trotz seines jungen Alters.

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Zu den Ministranten sollte im Advent der Nikolaus kommen. Ein gemütlicher Nachmittag im Pfarrheim mit Punsch, Würstchen und Plätzchen? "Wir wollten das Ganze größer aufziehen", sagt Lukas Brunnhuber. Zusammen mit seinem Team organisierte er Buden, Standbetreuer – und eine Schanklizenz. So wurde im oberbayerischen Hart an der Alz sehr zügig ein Popup-Adventsmarkt mit elf Ständen auf die Beine gestellt. Und statt 30 Besuchern kamen mehrere hundert. Schon andere Aktionen in ähnlicher Größenordnung hatte Brunnhuber mitgestemmt. Nun hat er noch mehr Verantwortung bekommen: Seit ein paar Wochen ist er Vorsitzender des Pfarrgemeinderats. Mit gerade einmal 17 Jahren. Ob er der jüngste in ganz Deutschland ist, wird aktuell noch geprüft.

Ein solches Amt in diesem Alter wirkt auf den ersten Blick wie eine kleine Sensation. Bei Brunnhuber war es bei genauerer Betrachtung aber geradezu logisch. Bei der Wahl des Gremiums Anfang März hatte er die meisten Stimmen erhalten; schon im Vorfeld war sein Name immer wieder genannt worden, wenn es um mögliche Kandidaten ging. Folglich wurde er bei der konstituierenden Sitzung vorgeschlagen und zum Vorsitzenden gewählt – nicht als vorgeschobener Notnagel wegen mangelnder Bereitschaft anderer, sondern mit der vollen Rückendeckung seiner Ratskollegen, wie es aus der Pfarrei heißt. "Ich freue mich natürlich, dass ich das Vertrauen bekommen habe", sagt Brunnhuber. Und er selbst traut sich das Amt auch zu: Er habe schon gezeigt, dass er das Zeug dazu habe, sagt er nicht ohne Selbstbewusstsein.

Lukas Brunnhuber ist das, was man einen ganz normalen Teenager nennt: Er spielt Schlagzeug, fährt Moped und unternimmt gerne etwas mit seinen Freunden. Aktuell ist er im zweiten Ausbildungsjahr zum Hotelfachmann. Von Kumpels, die nicht so viel mit der Kirche zu tun haben, bekommt er manchmal einen Spruch ab. "So nach dem Motto: Musst du jetzt schon wieder in die Kirche, oder was?" Doch das sei alles im Rahmen, findet der 17-Jährige.

Lukas Brunnhuber
Bild: ©Tine Limmer

Lukas Brunnhuber vor der Kirche in Hart an der Alz (Bistum Passau).

Hart ist ein Ortsteil der Gemeinde Garching an der Alz, gehört kirchlich aber zum Pfarrverband Feichten im südlichen Bistum Passau, ganz in der Nähe des bekannten Marienwallfahrtsorts Altötting. Bei Hart handelt sich jedoch nicht um eine klassische bayerische Dorfpfarrei. Der Ort ist im Grunde eine mit den Jahren gewachsene Arbeitersiedlung, die im frühen 20. Jahrhundert mit der Ansiedlung eines Chemiewerks entstand. "Die Kirche kam erst nach der Fabrik", sagt Brunnhuber.

Dennoch ist er dort einen für bayerisch-ländliche Verhältnisse sehr klassischen kirchlichen Weg gegangen: getauft, zur Erstkommunion gegangen, Ministrant geworden – wie seine Schwester. Auch seine Mutter ist in der Gemeinde engagiert. Lukas machte schon früh die Gruppenleiter-Ausbildung und wurde Oberministrant.

Spaß am Organisieren

Gerade die Corona-Zeit war eine große Herausforderung für die Messdiener. Vieles kam zu erliegen, die Gruppe stand sogar vor der Auflösung. Doch Brunnhuber und zwei seiner Freunde konnten das Blatt wenden. Sie fingen an, besondere Aktionen zu planen: einen Ministrantentag für den Pfarrverband, ein Public Viewing während der Fußball-Europameisterschaft. Und eben den Popup-Adventsmarkt.

Das Organisieren liegt dem Teenager im Blut. Später, so erzählt er, kann er sich einen Wechsel ins Veranstaltungsmanagement vorstellen. Wenn der 17-Jährige über den Antrieb für sein Engagement spricht, fällt oft das Wort "Gemeinschaft". Begegnungen sind für ihn einer der Schlüssel, um Kirche vor Ort lebendig zu halten. "Es ist einfach schön zu sehen, wenn viele Leute zusammenkommen", sagt er.

„Wir brauchen in der Kirche, gerade in den Gemeinden, Menschen mit einer Nähe zu den Themen der Leute.“

—  Zitat: Pfarrer Michael Witti über Lukas Brunnhuber

Dabei kommen Inhalte selbstverständlich nicht zu kurz. Mit den Ministranten – elf gehören aktuell zur Gruppe in Hart – gestaltet er thematische Gruppenstunden, für Kommunionkinder macht er Führungen durch die Kirche, erzählt zu den Heiligenfiguren die entsprechende Legende. Für ihn ist Kirche ein Raum, "in dem man viel lernen und über sich erfahren kann". Dazu haben es ihm alte Traditionen aus der Volksfrömmigkeit angetan: "Dafür habe ich ein echtes Faible." Sein eigenes Glaubensleben beschreibt er als bodenständig. Der Kirchgang gehört für ihn dazu, ebenso Momente der Andacht und des Gebets – etwa am Familiengrab.

Pfarrer Michael Witti, der für den Pfarrverband Feichten zuständig ist, kennt Brunnhuber, seit dieser ein kleines Kind war. "Mit der Ministrantengruppe hat er ein wahnsinniges Leben in die Pfarrei gebracht", betont der Priester. Er sei ein richtiger Teamplayer und Netzwerker. "Das hat er in der Jugendarbeit gelernt." Dem Priester imponieren aber nicht nur die Macher-Qualitäten des Jugendlichen, sondern auch dessen Spiritualität, "die Menschen mitten im Leben abholt". So hat er beispielsweise mit den Ministranten die Tradition des Heiligen Grabes zur Osterzeit im Altarraum der Kirche wiederbelebt. "Da hatten ältere Leute beim Anblick Tränen in den Augen." Was Brunnhuber auszeichne? "Er hat ein Gespür für die Leute und das, was sie brauchen – und ein enormes kommunikatives Geschick", so Witti.

Der Kirche ein Gesicht geben

Gerade diese Eigenschaften sind in einer Pfarrei wie Hart wichtig. Es gibt dort weniger gewachsene Strukturen als anderswo in der Gegend. Auch der Kirchenbesuch ist geringer im Vergleich zu den Nachbargemeinden. "Daher muss man sehr eng dranbleiben, wenn man etwas voranbringen oder Neues beginnen will", weiß Lukas Brunnhuber.

Pfarrer Witti ist froh, dass es Ehrenamtliche wie den 17-Jährigen gibt, auf die er sich jederzeit zu 100 Prozent verlassen kann. Denn die Kirche verändert sich strukturell, Gläubige werden in Zukunft immer mehr Verantwortung übernehmen müssen. "Wir brauchen in der Kirche, gerade in den Gemeinden, Menschen mit einer Nähe zu den Themen der Leute, die mit beiden Beinen mitten im Leben stehen und der alten Kirche ein Gesicht geben." Menschen, die ausstrahlen, was ihnen die christliche Botschaft bedeute. "Dass das nichts Altbackenes, sondern etwas für alle Phasen des Lebens ist."

Lukas Brunnhuber
Bild: ©Tine Limmer

Lukas Brunnhuber ist überzeugter Ministrant.

Das sei gerade für die Gegend von großer Bedeutung, betont Witti. "Wir haben mit Garching an der Alz sozusagen das Epizentrum des Missbrauchsskandals der Kirche in Deutschland nebenan." Priester H.: Das Stichwort genügt vielen.

Der 17-jährige Brunnhuber verschließt nicht die Augen vor den Skandalen und den vielen Austritten. Die Kirche habe viele Menschen abgeschreckt, sagt der Pfarrgemeinderatsvorsitzende. Dennoch bleibt er überzeugt von seinem Glauben. Zu den großen innerkirchlichen Reformdebatten sagt er, er wünsche sich eine offenere Kirche, in der sich alle willkommen fühlen – und die mit der Zeit geht. Gleichzeitig sei ihm wichtig, Traditionen zu bewahren. "Ich glaube, das kann Hand in Hand gehen."

Ein Wirken, das ausstrahlt

Engagierte Gläubige wie Lukas Brunnhuber sorgen für ein positives Bild von Kirche vor Ort. Das hat vereinzelt sogar unerwartete Auswirkungen. "Vor kurzem kam ein Mann aus der Nachbarpfarrei auf mich zu und sagte: Ich habe erlebt, wie ihr arbeitet und was ihr macht – ich will wieder eintreten", erzählt Pfarrer Witti. An Ostern wurde er wieder in die Kirche aufgenommen.

Für sein neues Amt als Pfarrgemeinderatsvorsitzender hat Brunnhuber sich schon einiges vorgenommen. "Mir liegt die Jugendarbeit natürlich besonders am Herzen", betont er. Auch eine bessere Vernetzung mit anderen Gruppen oder Vereinen im Dorf strebt er an. "Ich bin für alles offen, was die Leute brauchen." So gibt es etwa die Idee eines Seelsorgedienstes für alleinstehenden oder einsame Menschen. Wichtig ist ihm selbstverständlich auch, dass Veranstaltungen gut gemacht werden. Eine große steht im kommenden Jahr an: 2027 feiert die Harter Pfarrkirche 100-jähriges Jubiläum. Ein Fest, das Brunnhuber natürlich groß aufziehen möchte – mit der Hilfe möglichst vieler Menschen.

Von Matthias Altmann