"Dein Boss ist tot"

Pater Alt erfuhr von Mithäftlingen vom Tod von Papst Franziskus

Veröffentlicht am 21.04.2026 um 11:09 Uhr – Lesedauer: 

St. Blasien ‐ Als Papst Franziskus vor einem Jahr starb, war Jesuitenpater Jörg Alt im Knast: Der Klimaaktivist saß nach einer Protestaktion ein. Vom Tod seines Ordensbruders erfuhr er von Mithäftlingen.

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"Dein Boss ist tot" – so haben Mithäftlinge den Jesuitenpater Jörg Alt vom Tod von Papst Franziskus informiert. Im sozialen Netzwerk Mastodon hat der Klimaaktivist erzählt, wie er in der Schlage fürs Mittagessen im Gefängnis die Nachricht erfahren hat. Alt verbindet seine Erinnerung mit einer Würdigung: "Vor einem Jahr verstarb Papst Franziskus. Vorbild dafür, wie Macht ausgeübt werden soll: Demütig, menschlich, humorvoll, kompromisslos."

Alt hatte Anfang April 2025 eine 25-tägige Ersatzfreiheitsstrafe in der JVA Nürnberg angetreten. Der Priester wurde durch das Nürnberger Amtsgericht wegen Nötigung verurteilt, weil er im August 2022 zusammen mit Klimaaktivisten von "Extinction Rebellion" und der "Letzten Generation" den Autoverkehr vor dem Nürnberger Hauptbahnhof blockiert hatte, um eine gesellschaftspolitische Diskussion über die Gefahren des Klimawandels und eine Verkehrswende anzustoßen.

Wegen eines weiteren Protests steht Alt Ende April in München wieder vor Gericht. Hintergrund ist erneut eine Blockade. Zusammen mit weiteren Aktivistinnen und Aktivisten hatte der Jesuit am 1. September 2023 vor der bayerischen Staatskanzlei protestiert. Er selbst erläutert dazu: "Ich habe vor der Staatskanzlei von Markus Söder aus einer Botschaft von Papst Franziskus zum Weltgebetstag zur Bewahrung der Schöpfung verlesen: '(Regierungschefs müssen) auf die Wissenschaft hören und einen schnellen und gerechten Übergang einleiten, um die Ära der fossilen Brennstoffe zu beenden.' Passt natürlich nicht zu seiner fossilen Agenda", so Alt auf Mastodon.

Zuspruch von Mitbrüdern

Für seine Proteste hat Alt aus seinem Orden Zuspruch erhalten. Anlässlich der Inhaftierung im vergangenen Jahr erklärten sich 120 Jesuiten aus aller Welt in einem offenen Brief solidarisch mit dem Pater. "In Deutschland ist Migration derzeit ein heißes Thema in der politischen Debatte", heißt es in dem Brief. "Niemand im Globalen Süden möchte ein 'Klimaflüchtling' werden. Aber wenn die Entwicklung so weitergeht, wie es die Wissenschaft vorhersagt, werden in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts Hunderte von Millionen Menschen ohne eigenes Verschulden gezwungen sein, ihre angestammten Wohnorte zu verlassen, um zu überleben."

Der Provinzial der zentraleuropäischen Jesuitenprovinz, Thomas Hollweck, betonte anlässlich des Haftantritts Alts im vergangenen Jahr, dass viele Jesuiten und die Leitung des Ordens die grundsätzlichen Beweggründe teilten: "Seine Entscheidung, sich am Klimaprotest durch bestimmte Aktionen des gewaltfreien zivilen Ungehorsams zu beteiligen, ist eine Gewissensentscheidung, die ich respektiere." Er kündigte daher vor der Haftstrafe an, bei den sich daraus ergebenden strafrechtlichen Konsequenzen menschlich zur Seite stehen und ihn im Gefängnis zu besuchen.

Alt beteiligte sich in den vergangenen Jahren an Aktionen der Letzten Generation, darunter Proteste gegen Lebensmittelverschwendung sowie Straßenblockaden in Nürnberg, München und Berlin, bei denen er sich mehrfach auf Straßen festklebte. Wegen mehrerer Aktionen wurde er verurteilt. Seit Anfang 2026 ist er Pfarrer im Schwarzwaldort Sankt Blasien. (fxn)