Eintrittsgeld – Theologe sieht Gefahr für Charakter des Kölner Doms

Eintrittsgelder für Kirchen in Deutschland ärgern Thomas Frings. Im Interview mit dem Deutschlandfunk sagte der Priester im Ruhestand und Autor am Dienstag: Für ihn als Kirchensteuerzahler seien Eintrittsgelder in Kirchen ein "echtes Argument, aus der Kirche auszutreten". Es störe ihn, wenn Ausgetretene und Mitglieder hier gleich behandelt werden. Zuletzt hatte es mit der Ankündigung des Kölner Domkapitels, für die Kathedrale ab Juli Eintritt zu nehmen, eine Debatte darüber gegeben. Dabei soll die Gebühr nur für Touristen erhoben werden. Das Gebet und der Gottesdienstbesuch sollen weiter kostenfrei bleiben.
Hintergrund der Diskussion sind stark gestiegene Kosten für Erhalt und Betrieb der Kathedrale. Frings zeigt Verständnis für die Überlegungen des Domkapitels: "Ich gehe davon aus, dass niemand von den Verantwortlichen vor Freude in die Luft gesprungen ist und gesagt hat: 'Endlich dürfen wir Eintritt nehmen.'" Gerade angesichts von Massen von Kaugummis, die aus dem Dom herausgekratzt werden müssten, könne er verstehen, dass das Domkapitel zur Instandhaltung des Gebäudes Einnahmen generieren müsse.
Freier Zugang zum Gebet
Die Frage, wer als Beter gilt und freien Zugang erhält, sieht er aber als schwer lösbar: "Man kann Glauben ja nicht in Menge messen." Viele Menschen setzten religiöse Zeichen, auch ohne sich selbst als gläubig zu bezeichnen: "Ich glaube nicht, dass nur Betende eine Kerze entzünden, sondern empfindende Menschen tun das." Frings warnte vor einer möglichen Veränderung des Charakters der Kathedrale: "Wenn ich jetzt Eintritt nähme und die Beter aussortiere, dann weiß ich natürlich, dass ich dann auf jeden Fall nur noch ein touristisches Gebäude habe." Eine solche Entwicklung müsse bedacht werden. Frings stammt aus dem Bistum Münster. Als Ruhestandsgeistlicher hilft er in der Seelsorge in der Kölner Innenstadt.
Grundsätzlich plädiert der Theologe für mehr Transparenz im Umgang mit Finanzen: "Ich finde, man soll transparent und offen mit allen Dingen umgehen, mit Kosten, mit Nutzen, mit Einnahmen." Zugleich kritisiert er die geringe Spendenbereitschaft im schon bisher aufgestellten Spendengefäß des Doms als "beschämend für die Besucher". Als Ideallösung nennt Frings eine Mitgliedschaft im Dombauverein, die mit freiem Eintritt verbunden wäre. Als möglichen Kompromiss bringt er eine niedrige Eintrittsgebühr ins Spiel. "Wenn jeder zwei Euro bezahlen würde, dann würde selbst ich mich nicht darüber aufregen", sagte Frings. "Ich finde zwei Euro einen tollen Preis."
Dennoch sieht Frings in der Diskussion über den Dom-Eintritt etwas Erfreuliches: Unabhängig davon, ob Menschen dem Vorstoß zustimmten oder ihn ablehnten, zeige sich darin, "wie wichtig ihnen dieses Gebäude ist". Der Besuch eines Kirchengebäudes könne im Idealfall bewirken, dass man innerlich von etwas berührt werde, das einen übersteigt: "Es gibt eben Orte, wo uns Gott näher ist", sagte Frings. Das könne ein Meer oder ein Berg sein. "Für mich ist es aber auch immer eine Kirche." (KNA)