Schwester Johanna Domek über das Sonntagsevangelium

Vom Mut, eine neue Tür zu öffnen

Veröffentlicht am 25.04.2026 um 09:30 Uhr – Lesedauer: 
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Köln ‐ Durch wie viele Türen sind Sie heute schon gegangen? Manche Türen sind geöffnet, andere bleiben uns verschlossen. Menschen können einander zum Türöffner werden. Schwester Johanna Domek erinnert sich an eine Begegnung.

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"Ich bin der ich bin da", antwortet Gott dem Mose, der am brennenden Dornbusch nach Gottes Namen fragt (Ex 3,14). An diese große Selbstoffenbarung Gottes knüpfen die sieben "Ich-bin-Worte" Jesu im Evangelium nach Johannes an. Sie offenbaren Gottes Wesen und sind eine Einladung an den Menschen ins Heil. Heute ist es das Wort "Ich bin die Tür". Wer durch diese Tür geht, wird gerettet, er wird ein- und ausgehen können und überall genug "Weide" finden, um zu leben.

Zahllose Menschen sind schon durch diese Tür gegangen, heute haben wir die Möglichkeit. Jesus ist die Tür, aber er nimmt uns nicht die eigenen Schritte ab. Gehen muss und kann jeder und jede selbst, auf den eigenen Füßen, im eigenen Leben und Kontext. Lassen wir das Bild von der Tür auf uns wirken. Und nehmen wir dabei unsere eigenen Erfahrungen von Türen wahr. Wir kennen die Türen, die sich uns öffneten, die die uns aufgehalten wurden, aber auch die, die uns verschlossen waren oder vor uns zugeschlagen wurden und auch die, die wir aufgehalten oder verschlossen haben. Wir kennen vermutlich alle auch Menschen, die uns halfen, dass wir ins Leben gehen konnten und uns so zur Tür geworden sind. Andere werden es uns erschwert haben. Ich will danken für die einen und Gott bitten für die anderen, um Türen, die ihnen aufgehen und neue Horizonte, die sich ihnen zeigen.

Auch auf dem Weg durch die verschiedenen Lebensphasen verlassen wir Räume - Kindheit, Jugend, Schaffenskraft u.a.m - da sind Türen für immer zu. Ganz neue Türen tun sich auf und rufen uns weiterzugehen. Im Jahr 2001 begann ich mich in die komplexen Themen alternder und sterbender Gemeinschaften einzuarbeiten. Ich fuhr in die Niederlande, um zu lernen. Dort war man uns in Deutschland bereits einige Jahre voraus. Eine Frage in meinem Gepäck war: "Was hat euch geholfen?" Eine Schwester, die während des Umzugs in ein Klosteraltenheim einen Schlaganfall erlitten hatte und nun halbseitig gelähmt war, schrieb mir mit ihrer gesunden Hand auf einen Zettel: Dtn 31,8: "Der HERR selbst zieht vor dir her. Er ist mit dir. Er lässt dich nicht fallen und verlässt dich nicht. Du sollst dich nicht fürchten und keine Angst haben." Diese Zusage war ihr immer präsent geblieben. Sie reichte weiter als alles, was es sonst noch klug zu bedenken galt.

Beim Lesen des heutigen Evangeliums mit den Worten von "Tür" und "Hirt" und Jesu Wort, er gehe voraus, kam sie mir wieder in den Sinn. Was dem Josua verheißen wurde, ist in Jesus neu und ganz erfüllt und gilt auch heute. Im Hören auf seine Stimme, fließt mir aller Mut zu, den ich brauche.

Evangelium nach Johannes (Joh 10,1–10)

In jener Zeit sprach Jesus: Amen, amen, ich sage euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. 

Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe. Ihm öffnet der Türhüter und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus.

Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen.

Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte. Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört.

Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden. Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.

Die Autorin

Sr. Johanna Domek OSB ist seit mehr als 40 Jahren Benediktinerin in Köln-Raderberg, wo sie in der Kurs- und Exerzitienarbeit tätig ist. Darüber hinaus ist sie Beauftragte des Netzwerks alternde Ordensgemeinschaften und hat zahlreiche Publikationen zum Thema Spiritualität veröffentlicht.

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