Die Frage nach dem Diakonat der Frau ist keine Modeerscheinung

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Es ist eine eigentümliche Spannung, die den 29. April durchzieht. Während die Liturgie das Gedächtnis der hl. Katharina von Siena feiert – jener Kirchenlehrerin, die Päpste nicht um Erlaubnis bat, bevor sie deren Umkehr forderte –, begehen die katholischen Frauenverbände den "Tag der Diakonin". Es ist ein Gedenktag, der jedes Jahr höflich anklopft und fragt, was eigentlich aus jener Hälfte des Gottesvolkes geworden ist, die seit Jahrhunderten zuverlässig betet, tröstet, Schweißtücher reicht und predigt – und doch oft nur bis zur Kommunionbank mitgedacht wird.
Frauen sind das Fundament kirchlichen Lebens, gerade im Dienst am Nächsten. Man vertraut ihnen Caritas, Krankenhäuser, Armenküchen, Seelsorge, Schulen und Orden an. Doch an der Schwelle zum sakramentalen Amt ist Endstation. Die Frage nach dem Diakonat der Frau ist keine Modeerscheinung, sondern eine ernsthafte theologische Anfrage. Wer das Diakonat allein als Vorstufe zum Priestertum denkt, verengt es unzulässig; die Konzilsväter des II. Vatikanums haben das erkannt und das Amt des ständigen Diakonats aus der Zeit der Frühen Kirche wiederbelebt. Diakonia ist Dienst am Wort Gottes und an den Armen; sie macht also die Gestalt jener Kirche sichtbar, die sich bückt, statt sich zu erhöhen. Die frühchristliche Quellenlage zu Diakoninnen ist zu eindeutig, um sie mit schlichten Abwehrreflexen beiseite zu schieben.
Papst Franziskus hatte zuletzt gleich zwei Kommissionen eingesetzt. Das Ergebnis: nach wie vor ein Schwebezustand. Man könnte das als Rücksichtnahme deuten, doch wirkt es zunehmend wie ein geordnetes Aufhalten mit freundlich-väterlicher Miene. Dort, wo das Thema wissenschaftlich erforscht wird, scheint die Tür offen, doch die institutionelle Konsequenz bleibt aus. Wie wir wissen, ist das auch bei anderen Themen der Fall. Doch hier berührt die Diskrepanz zwischen der betonten „gleichen Würde aller Getauften“ und der strukturellen Exklusion die Glaubwürdigkeit der Kirche im Kern.
Katharina von Siena schöpfte ihren geistlichen Ungehorsam aus ihrer radikalen Christus-Beziehung. "Nicht das Schweigen ist es, das die Welt rettet, sondern das Wort", schrieb sie. In diesem Geiste ist die Frage nach dem Diakonat der Frau als geistlicher Realitätscheck zu sehen: Hat unsere Kirche den Mut, das, was Frauen längst leben, auch sakramental ernst zu nehmen?
Die Autorin
Schwester Dr. Gabriela Zinkl SMCB ist Ordensschwester bei den Borromäerinnen, promovierte Theologin (Kirchenrecht) und in der Ordensleitung in Kloster Grafschaft tätig.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.