Auch Anglikaner melden sich zu Wort

Katholische Kirche begrüßt Stopp von Suizidbeihilfe-Gesetz in England

Veröffentlicht am 28.04.2026 um 19:00 Uhr – Lesedauer: 

London ‐ Vorerst kein Beschluss zu einem umstrittenen Gesetz im britischen Parlament: Die katholische Kirche in England begrüßt das Scheitern des Entwurfs zu assistiertem Suizid und fordert Alternativen.

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Die katholische Kirche in England hat das vorläufige Scheitern des geplanten Suizidbeihilfe-Gesetzes begrüßt. Der in der englischen Bischofskonferenz für den Lebensschutz zuständige Erzbischof von Liverpool, John Sherrington, forderte die Abgeordneten am Dienstag auf, sich stattdessen auf Maßnahmen zur Verbesserung der Palliativ- und Hospizversorgung zu konzentrieren.

Zugleich dankte er allen Parlamentariern, die sich dafür eingesetzt hätten, die Würde jedes menschlichen Lebens zu wahren. Die Sterbebegleitung solle bis zum natürlichen Lebensende von Mitgefühl und Respekt geprägt bleiben, erklärte der Liverpooler Erzbischof.

Entwurf verfällt

Das Oberhaus des Parlaments hatte in der vergangenen Woche vorerst letztmals über den Gesetzentwurf zum assistierten Suizid beraten. In den kommenden Tagen endet die aktuelle Legislaturperiode, weshalb auch der eingebrachte Gesetzentwurf verfällt. Im Zuge der Beratungen waren mehr als 1.200 Änderungsanträge eingebracht worden. Trotz zusätzlicher Sitzungen im Oberhaus konnten nicht alle abschließend behandelt werden.

Nach dem parlamentarischen Verfahren müsste ein entsprechendes Gesetzesvorhaben nun vollständig neu im Unterhaus eingebracht werden. Daran übten Befürworter der Suizid-Beihilfe Kritik. Sie sprachen von einer bewussten Verzögerungstaktik. Mehrere Abgeordnete kündigten einen neuen Anlauf in der kommenden Legislaturperiode ab dem 13. Mai an.

Kritik von Kirchen

Neben der katholischen Kirche hatten sich auch Vertreter der anglikanischen Kirche zu Wort gemeldet. Die Bischöfin von Newcastle, Helen-Ann Hartley, sprach von einer moralischen Notwendigkeit, den Gesetzentwurf angemessen zu prüfen. Je intensiver die Abgeordneten den Entwurf untersucht hätten, desto mehr Bedenken seien aufgekommen, sagte Hartley laut der britischen Zeitung "The Tablet".

Auch die Erzbischöfin von Canterbury, Sarah Mullally, erklärte in der Parlamentsdebatte, dass sie das Gesetz grundsätzlich ablehne. Zugleich seien Befürworter und Gegner sich einig, dass ein Tod ohne Schmerzen, in Würde, mit möglichst wenig Angst und begleitet von Mitgefühl möglich sein sollte. Mullally arbeitete zuvor viele Jahre in Führungspositionen im englischen Gesundheitswesen. (KNA)