Traditionalistischer Orden eskaliert weiter

Transalpine Redemptoristen erkennen Päpste seit Paul VI. nicht mehr an

Veröffentlicht am 03.05.2026 um 10:44 Uhr – Lesedauer: 

Papa Stronsay ‐ Seit Monaten protestiert ein traditionalistischer Orden immer schriller gegen die Kirche und ihre Lehre – sein neues Manifest verdammt nun alle Päpste seit dem Zweiten Vatikanum. Ein Konzil ohne Papst soll die Lösung bringen.

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Der traditionalistische Orden der "Transalpinen Redemptoristen" ("Söhne des Allerheiligsten Erlösers") hat erklärt, die Päpste seit Paul VI. (1963–1978) nicht mehr anzuerkennen. In einem am Samstag veröffentlichten Manifest ruft die Gemeinschaft daher alle Bischöfe dazu auf, in einem Konzil ohne den Papst über die nachkonziliaren Päpste zu urteilen. "Solange dieses unvollkommene Konzil nicht einberufen und seine Untersuchungen nicht abgeschlossen sind und solange keine päpstlichen Klarstellungen vorliegen, können wir die Prätendenten auf das Papstamt seit der Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils nicht akzeptieren", heißt es in dem 21-seitigen Schreiben.

Mit ihrem Manifest eskaliert die Gemeinschaft weiter, nachdem sie bereits Mitte April die Einberufung eines Konzils ohne den Papst angekündigt hatte. Das von den 28 Mitgliedern der Gemeinschaft unterzeichnete Manifest schließt mit sieben Feststellungen: Die Kirche sei mindestens seit Papst Gregor XVI. (1831–1846) von Feinden unterwandert. Das Zweite Vatikanum habe die "freimaurerische Irrlehre des Indifferentismus" gelehrt. Indifferentismus bezeichnet gemäß Gregor XVI. die Position, dass es für die Erlösung auf gute Taten ankomme und das Glaubensbekenntnis dafür irrelevant sei, mithin also auch Nicht-Katholiken Zugang zum ewigen Heil haben.

Die "Papstprätendenten" von Paul VI. an bis hin zum amtierenden Papst hätten in Lehre und Tat gegen ihre vorkonziliaren Vorgänger gehandelt. Die Päpste seit dem Zweiten Vatikanum hätten eine "spirituelle Katastrophe größtmöglichen Ausmaßes" verursacht. Die neuen lehrmäßigen, moralischen, liturgischen und disziplinarischen Entscheidungen seit dem Zweiten Vatikanum stünden im Widerspruch zu vorherigen Lehren. Wer das Zweite Vatikanum akzeptiere, sei von der katholischen Kirche getrennt. Es sei für Katholiken nicht möglich, einen Papst anzuerkennen und zugleich seine Lehren zu Glaube und Sitten und seinen Anweisungen zu Disziplin und Liturgie abzulehnen.

Krude theologische Thesen

Im Manifest wird der Papststuhl zwar nicht als vakant erklärt, die Päpste seit Paul VI. aber als "Papstprätendenten" und "vorgebliche Päpste" bezeichnet. Die Position der Transalpinen Redemptoristen bewegt sich damit zwischen dem Sedisvakantismus, der davon ausgeht, dass der Papststuhl vakant ist, und dem Sedisprivationismus. Diese Position geht davon aus, dass ein formal zum Papst Gewählter das Papstamt aufgrund von ihm vertretener Irrlehren nicht rechtmäßig ausüben kann.

Die "Transalpinen Redemptoristen" mit dem Bischof von Aberdeen, Hugh Gilbert.
Bild: ©Transalpine Redemptoristen (Archivbild)

Die "Transalpinen Redemptoristen" mit dem Bischof von Aberdeen, Hugh Gilbert. 2008 nahm er den zuvor mit der Piusbruderschaft verbundene Orden in die Gemeinschaft der Kirche auf.

Die Figur eines "unvollkommenen Konzils" wird in sedisvakantistischen und sedisprivationistischen Kreisen und unter Gruppierungen, die dem aktuellen oder früheren Päpsten Häresie vorwerfen, seit einiger Zeit vertreten. Sie geht davon aus, dass im Fall eines häretischen Papstes Bischöfe in einem Konzil die behaupteten Missstände auch ohne den Papst beheben könnten. Theologisch wird diese Idee auf Gewährleute wie den Kirchenlehrer Robert Bellarmin (1542–1621), den Dominikanertheologen Thomas Cajetan (1469–1534) und den heiligen Alfons von Liguori (1669–1787) zurückgeführt, die sich in ihren Werken unter anderem mit dem Verhältnis von Papst und Konzil auseinandergesetzt haben. Tatsächlich kennt die Lehre der Kirche kein Konzil ohne den Papst.

Die Verweigerung der Unterordnung unter den Papst bezeichnet das Kirchenrecht als Schisma. Die beharrliche Leugnung von zu glaubenden Wahrheiten gilt als Häresie. Beides gilt als kanonische Straftat. Mit einem Schisma oder einer Häresie tritt die Exkommunikation als Tatstrafe ein, also mit Begehen der Tat. Zuständig für die Transalpinen Redemptoristen, einen Orden diözesanen Rechts, ist das Bistum Aberdeen. Bislang hat sich Bischof Hugh Gilbert zu dem Fall nicht öffentlich geäußert. Das Kirchenrecht sieht vor, dass der Bischof bei wahrscheinlicher Kenntnis von einer kanonischen Straftat eine Voruntersuchung einleitet; zuständig für die gerichtliche Klärung schwerer Straftaten gegen den Glauben ist das Glaubensdikasterium als Gerichtsbehörde.

Konflikt in Neuseeland

Im vergangenen Oktober hatte sich der traditionalistische Orden von der "modernistischen Kirche" losgesagt. Dazu hatte das Generalkapitel einen offenen Brief veröffentlicht, in dem zentrale Aussagen des Lehramts von Papst Franziskus (2013–2025) zurückgewiesen wurden. Der Orden mit Niederlassungen in Schottland und Neuseeland befindet sich seit Monaten in einem Konflikt mit dem Bischof des neuseeländischen Christchurch, Michael Gielen.

Gielen hatte den Orden im vergangenen Jahr nach einer Apostolischen Visitation angewiesen, seine Diözese zu verlassen. Hintergrund der Visitation waren Medienberichte über unerlaubte Exorzismen, in deren Verlauf Menschen traumatisiert worden seien, darunter Minderjährige. Die Ordensleute widersprachen den Vorwürfen. Beim Vatikan eingelegte Rechtsmittel gegen die Ausweisung scheiterten im Sommer. In ihrem offenen Brief kündigten die Ordensleute außerdem an, dass sie weiterhin in Christchurch tätig sein wollen.

Junger Mitbruder vermisst

Neben ihren kirchenpolitischen Aktivitäten bewegt die Gemeinschaft momentan auch das Verschwinden eines Mitbruders. Mitte April ist ein 24-jähriger Neuseeländer, der zum Orden gehört, aus dem schottischen Inselkloster der Gemeinschaft verschwunden. Über den Verbleib des jungen Mannes ist nichts bekannt. Die Behörden gehen davon aus, dass er im Meer ertrunken ist. Die Suche mit Polizeihubschraubern und -booten blieb erfolglos. Die Polizei geht nicht von einem Verbrechen aus.

Die "Transalpinen Redemptoristen" wurden 1988 gegründet und waren zunächst eng mit der Piusbruderschaft verbunden. Nachdem Papst Benedikt XVI. 2007 die Feier der vorkonziliaren Liturgie als "außerordentliche Form des römischen Ritus" wesentlich erleichtert hatte, kehrte der Orden 2008 in die volle Gemeinschaft mit dem Papst zurück. 2012 wurde er als Ordensgemeinschaft diözesanen Rechts in der schottischen Diözese Aberdeen anerkannt, wo er sein Haupthaus hat. In Neuseeland ist die Gemeinschaft seit 2017 vertreten. (fxn)