"Stille Theologie" statt Mode

Maß und Ordnung – Papst-Designer erklärt Stil von Leo XIV.

Veröffentlicht am 05.05.2026 um 11:12 Uhr – Lesedauer: 

Rom ‐ Ein Modemagazin hatte ihn zu den bestgekleideten Persönlichkeiten des Jahres 2025 gekürt: Nun äußert sich der Designer von Leo XIV., der zuvor auch Benedikt XVI. und Franziskus einkleidete – und erklärt die Unterschiede.

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Mit seinem markanten Stil und der Aufnahme in die Liste der bestgekleideten Männer hat Papst Leo XIV. weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt. Dahinter steckt der offen homosexuelle italienische Designer Filippo Sorcinelli, der unter anderem auch die Päpste Benedikt XVI. und Franziskus einkleidete. Gegenüber der englischen Zeitung "Daily Mail" sagte der Italiener nun, bei Leo XIV. spüre man einen Stil, der aus einer Entscheidung für Maß und Ordnung entstanden sei – einer "gelassenen Haltung, die vor allem von einer geordneten Innerlichkeit und Autorität zeugt", erklärte Sorcinelli. 

Das Modemagazin "Vogue" hatte Papst Leo XIV., dessen Wahl sich am 8. Mai zum ersten Mal jährt, zu einer der bestgekleideten Persönlichkeiten des Jahres 2025 gewählt. Dabei wurde der "Bruch mit dem bescheidenen Geschmack seines Vorgängers Papst Franziskus" betont. Sorcinelli erklärte dazu, Franziskus habe eine "überraschende Einfachheit, fast schon eine evangeliumsgemäße Provokation" gewählt. Bei Benedikt XVI. sei es hingegen die Verwurzelung in der Tradition. Doch Leo XIV., so der Designer, verkörpere ein Gleichgewicht zwischen Benedikt und Franziskus 

Klassischer Stil mit modernen Akzenten 

In diesem Zusammenhang erklärte Sorcinelli, bei der päpstlichen Kleidung gehe es nicht um Mode an sich, sondern darum, durch eine "stille Theologie" Bedeutung zu vermitteln. Jedes Detail sei darauf ausgelegt, die Rolle des Papstes zu unterstützen – nicht von ihr abzulenken. Leo XIV. wende einerseits dem klassischen Stil zu, andererseits setze er gleichzeitig subtile moderne Akzente, etwa mit einer Apple Watch oder einer Baseballkappe der Chicago White Sox. 

Sorcinelli sprach auch über seine eigene sexuelle Orientierung. Nie habe er einen Konflikt zwischen seinem Glauben und seiner Homosexualität gesehen. "Ich habe Glaube und Sexualität nie als Kampf angesehen, sondern als eine kreative Spannung, die meine Kreativität antreibt", sagte er. Sorcinelli fügte hinzu, dass er in der Kirche stets Akzeptanz erfahren habe. Die kirchliche Lehre biete Orientierung, nicht Ausgrenzung, so der Designer. (mtr)