Christen im Heiligen Land brauchen Solidarität
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Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat vor kurzem seinen Tätigkeitsbericht für 2025 vorgelegt. Darin werden eindringlich die Bedrohung durch den erstarkten Antisemitismus wie auch die Gefahren extremistischer Ideologien wie Rechtsextremismus, Islamismus und Linksextremismus beschrieben. Diese Analyse ist richtig, notwendig und verdient breite Unterstützung.
Als wichtigste Interessenvertretung jüdischer Gemeinden in Deutschland spricht der Zentralrat mit gesellschaftlicher und politischer Autorität und setzt sich erklärtermaßen für Religionsfreiheit ein. Daher fällt es auf, dass in den offiziellen Stellungnahmen ein Aspekt der aktuellen Situation im Heiligen Land bislang kaum eine Rolle spielt.
Das Heilige Land ist nicht nur ein Ort jüdischen und muslimischen Lebens, sondern auch Heimat einer kleinen christlichen Minderheit. Deren Lage hat sich in den vergangenen Monaten spürbar verschärft. Kirchenvertreter berichten von zunehmendem Druck und Übergriffen durch jüdische Extremisten und radikale Siedlergruppen. Erst vor einigen Tagen meldeten internationale Medien den tätlichen Angriff auf eine Ordensfrau in Jerusalem.
Antisemitismus bleibt eine zentrale Herausforderung
Der Zentralrat ist freilich in erster Linie Anwalt jüdischen Lebens. In einer Zeit jedoch, in der Polarisierung zunimmt, ist es wichtiger denn je, komplexe Realitäten umfassend zu benennen. Damit Frieden im Heiligen Land und darüber hinaus möglich wird, braucht es einen umsichtigen interreligiösen Dialog, in dem jede Seite auch das Leid der jeweils anderen sieht und ins Wort bringt.
Damit wird nichts relativiert. Antisemitismus bleibt eine zentrale Herausforderung, hier in Deutschland als auch weltweit. Aber Menschenrechte wie das Recht auf Religionsfreiheit sind unteilbar. Der Einsatz für sie gewinnt an Überzeugungskraft, wenn er umfassend ist. Ein Wort des Zentralrats zur Situation der Christen im Heiligen Land könnte hilfreich sein.
Der Autor
Pfarrer Dirk Bingener ist Präsident des Internationalen Katholischen Hilfswerkes missio Aachen und des Kindermissionswerkes "Die Sternsinger" in Aachen.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.
