Wegen Grundrichtung

Kirche warnt: Kein Umdenken bei der AfD in Sachsen-Anhalt

Veröffentlicht am 30.04.2026 um 12:12 Uhr – Lesedauer: 

Magdeburg ‐ Aggressiv, vulgär, unwürdig: Die katholische Kirche warnt eindringlich vor den Regierungsplänen der AfD in Sachsen-Anhalt. Warum die Religionsfreiheit bedroht ist und wer der besondere Scharfmacher ist.

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Die AfD wird in Sachsen-Anhalt nach Ansicht der katholischen Kirche nicht von ihrem kirchenfeindlichen Kurs abrücken. Auch wenn die AfD von ihrer ursprünglichen Forderung, die Staatsleistungen an die Kirchen komplett zu streichen, abgerückt sei, bleibe doch die Grundrichtung, die Kirchen zu schwächen, sagte der Leiter des Katholischen Büros Sachsen-Anhalt, Mathias Bethke, am Donnerstag im Podcast "Mit Herz und Haltung" der Katholischen Akademie Dresden.

Das beschlossene AfD-Wahlprogramm für die Landtagswahl am 6. September fordert, die Staatsleistungen in Höhe von 40 Millionen Euro allen christlichen Kirchen proportional zu ihrer Mitgliederzahl zukommen zu lassen. Die Verwendung soll auf Kosten für Geistliche und den Gebäudeerhalt beschränkt bleiben. Kirchen, die Staatsleistungen in Anspruch nehmen wollen, sollen über die Verwendung der Mittel Rechenschaft ablegen. Bei der jüngsten Landtagswahlumfrage im März kam die AfD auf 38 Prozent.

Religionsfreiheit einschränken

Bethke verwies auch auf die Forderung im Wahlprogramm, wonach die AfD die Religionsfreiheit "wieder auf angemessene Maßstäbe zurückführen" will. Der Passus richte sich im Programm zwar zunächst vordringlich gegen den Islam, müsse aber auch Christenmenschen Sorge machen, wenn dieses Grundrecht beschnitten werden soll, so Bethke, der der Kontaktmann der Kirche zur Landespolitik ist.

Der Duktus gegenüber den Kirchen sei verletzend, aggressiv, vulgär und unwürdig im Ton und habe schon jahrelang Tradition. Verantwortlich dafür ist laut Bethke der Vize-Fraktions- und Landesparteivorsitzende, Hans-Thomas Tillschneider, der promovierter Islamwissenschaftler ist und sich auch extrem islamfeindlich positioniert. "Ich glaube nicht daran, dass die AfD in Sachsen-Anhalt, solange Hans-Thomas Tillschneider eine führende Rolle in ihr einnimmt, von ihrer Kirchenfeindschaft abweicht", sagte Bethke.

17 Prozent der Katholiken wählen AfD

Die AfD erreichte bei der Landtagswahl 2016 in Sachsen-Anhalt 24,3 Prozent und wurde aus dem Stand zweitstärkste Kraft. 2021 erzielte sie 20,8 Prozent. Vergangenes Jahr bei der Bundestagswahl war sie mit 37,1 Prozent der Zweitstimmen die stärkste Kraft in Sachsen-Anhalt. Der Verfassungsschutz stuft den Landesverband als gesichert rechtsextrem ein.

Bethke erklärte, 2016 und 2021 hätten jeweils rund 17 Prozent der Katholiken die AfD gewählt. "Mein Problem ist nur, ich kenne nicht einen einzigen AfD-Wähler. Die Menschen geben sich nicht als AfD-Wähler zu erkennen. Die Katholiken nicht und die anderen auch nicht." Sachsen-Anhalt ist das Bundesland mit den wenigsten Katholiken, sie machen knapp drei Prozent der Bevölkerung aus. (KNA)