Bischof im Bistum Passau

Bischof Oster: Synodaler Weg war für mich "emotionaler Stress"

Veröffentlicht am 07.05.2026 um 11:55 Uhr – Lesedauer: 

Köln/Passau ‐ Aus Gewissensgründen eine andere Meinung zu vertreten, ist nicht immer einfach. Diese Erfahrung hat auch der Passauer Bischof Stefan Oster gemacht. In einer Podcastfolge gibt er Einblick in diese Zeit.

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Der Passauer Bischof Stefan Oster hat die Versammlungen des Synodalen Wegs, des katholischen Reformprozesses in Deutschland, "als emotionalen Stress" erlebt. Das sagte der Bischof im Podcast "Frings fragt!" von domradio.de und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). In dem Gespräch mit dem ZdK-Generalsekretär Marc Frings ging es auch um Offenheit beim Thema Missbrauch, ein christliches Menschenbild in der Demokratie und seine Erfahrungen als junger Sportler.

Offen bekannte der Bischof, sehr darunter gelitten zu haben, dass er aus persönlicher Gewissensüberzeugung nach außen hin einen Beitrag leiste, der die Bischofskonferenz als nicht geeint, sondern eher gespalten erscheinen lasse. "Und ich trage dazu bei, weil ich einer von dieser Minderheit bin, die sagt: 'Ne, da gehe ich nicht mit und kann nicht mitgehen.'" Das sei eine schwierige Erfahrung für ihn gewesen, betonte Oster. Dass er in Gewissensnot sei, habe er auch dem Papst gesagt. Denn eine Spaltung der Deutschen Bischofskonferenz sei nicht sein Ziel gewesen.

Als einer der sogenannten Minderheitenbischöfe, die sich immer wieder kritisch zu mehrheitlich vorgetragenen Forderungen bei den Synodalversammlungen äußerten, habe er durch die Öffentlichkeit extremen Druck erfahren, erklärte Oster. Die Polarisierungen hätten sich zugespitzt. Allerdings habe er von außen auch viel Zuspruch bekommen, genauso vom Inner Circle, der mit ihm kirchenpolitisch ähnlich unterwegs sei.

Die Kirche in Deutschland gehe derzeit durch die größte Transformation seit der Reformation, erklärte Oster. Es erfolge ein Umbruchprozess aus einer volkskirchlich geprägten Zeit hinein in eine, in der Katholiken fähig sein müssten zu sagen, an was und warum sie glaubten. Das gelte nicht nur für die Laien. Auch wer sich für das Priesteramt bewerbe, müsse wirklich geeignet sein. Die Erfahrung habe nämlich gezeigt, dass die "heilige Weihe" es nicht richten werde. Wer im Seminar schon komisch gewesen sei, werde am Ende noch komischer.

Die Bischöfe Woelki, Hanke, Oster und Voderholzer, im Hintergrund die Aula des Synodalen Wegs
Bild: ©Synodaler Weg/Maximilian von Lachner | KNA/Theo Barth | KNA/Julia Steinbrecht | Montage:katholisch.de (Archivbild)

Die Bischöfe Rainer Maria Woelki (Köln), Gregor Maria Hanke (Eichstätt), Stefan Oster (Passau) und Rudolf Voderholzer (Regensburg) nehmen nicht am Synodalen Ausschuss teil.

Der Bischof plädierte außerdem für einen Offenheit im Umgang mit Finanzen und Missbrauchsfällen in der Kirche. Zugleich schätze er es aber auch, wenn bei sensiblen Entscheidungsprozessen ein geschützter Raum gewahrt werde. Beim Thema Missbrauch und Aufklärung glaubt Oster nach eigenen Worten, dass die Kirche in Deutschland sehr viel weiter sei als die meisten Kirchen in anderen Ländern. Das habe natürlich auch mit den finanziellen Ressourcen hierzulande zu tun, erklärte der Bischof. So habe die im Dezember vorgestellte Passauer Missbrauchsstudie insgesamt eine Dreiviertel Million Euro gekostet.

Zugleich seien Fragen nach den systemischen Ursachen sowie der Erneuerung der Strukturen gestellt worden. "Da ist viel passiert und das Bewusstsein ist gewachsen." Ohne dass man damit angeben sollte, sei die Kirche bei diesem gesellschaftlich großen Thema schon ein Vorreiter in Deutschland in Sachen Expertise geworden, erklärte der Bischof. Dennoch gebe es weiter Baustellen. Deshalb gelte es, nicht nachzulassen in der Aufmerksamkeit und darin, Betroffenen beizustehen.

Mediendynamik geht Richtung Skandal

Der Passauer Bischof ist zudem überzeugt, dass die stabilen Demokratien des Westens nicht ohne das jüdisch-christliche Bild vom Menschen denkbar seien. Allerdings habe er wegen der derzeitigen Entwicklung die Sorge: "Wir sägen da gerade an unserem eigenen Ast, auf dem wir gewachsen sind." Die Kirche stehe für ein Menschen-, Gottes- und Weltbild, das die Würde jedes Menschen hochhalte, betonte der Bischof. Doch je weniger dies geglaubt werde, umso mehr nähmen die Partikularismen, das Gegeneinander und der Gruppenegoismus zu.

Miteinander zu streiten sei wichtig, sagte Oster. Man sollte sagen, wovon man überzeugt sei, aber dabei nicht dem, der anders denke, eine drüberhauen. Die Mediendynamik gehe jedoch derzeit in eine andere Richtung, stellte der früher als Rundfunkjournalist tätige Bischof fest. Im Vordergrund stehe das Gewinnen von Klicks, die Skandalisierung, die Emotionalisierung und die Polarisierung. Auch in den eigenen, kirchlichen Medien werde das zum Teil praktiziert. "Schon haben wir etwas von unserer Gesprächskultur verloren, für die wir eigentlich stehen müssten." Wenn er zum Beispiel auf Facebook manche Kommentare unter Christenmenschen lese, lasse sich oftmals erkennen. "Wir sind keinen Deut besser als der Rest der Gesellschaft."

Niederlagen im Judo lehren Demut

In dem Podcast sprach er auch über seine Niederlagen als junger Sportler. Im Judo zu verlieren, ist laut dem Bischof demütigender als im Fußball oder Tennis. Denn das sei ein Kampf Mann gegen Mann beziehungsweise Junge gegen Junge. "Der packt dich dann oder haut dich her. Und du liegst am Boden und kannst nicht mehr."

Das Thema Demut gehöre zutiefst in die Kirche, ebenfalls gedemütigt zu werden, sagte Oster. Wenn man auf den Stifter der christlichen Religion blicke, dann sei dessen Leben zumindest bis zum Kreuz eine Erfolgsgeschichte. Doch die Seinen hätten ihn bekanntlich nicht aufgenommen, sondern umgebracht. "Sowas gehört mitten in unseren Glauben hinein und ist auch eine Erfahrung, die wir als Menschen brauchen, um als Menschen zu reifen." (bak)