Katholikentagmotto "Hab Mut, steh auf!"

Bischof Jung: Religion nicht für politische Zwecke missbrauchen

Veröffentlicht am 14.05.2026 um 11:22 Uhr – Lesedauer: 

Würzburg ‐ Schutz des Lebens, Reformen in der Kirche, Gefahren für die Demokratie: Auch im Eröffnungsgottesdienst setzt der Katholikentag auf klare Botschaften. Die inhaltliche Arbeit beginnt danach mit einem bunten Themenspektrum.

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Der Würzburger Bischof Franz Jung warnt davor, Religion für politische Zwecke zu missbrauchen. "Hab Mut, steh auf und wage den Widerspruch gegen alle Machthaber dieser Welt, die sich in Allmachtsphantasien ergehen und diese auch noch religiös verbrämen", sagte er beim Eröffnungsgottesdienst des Katholikentags mit Blick auf das Motto "Hab Mut, steh auf!".

Gottes Reich gründe weder auf Gewalt noch auf Unterdrückung oder Einschüchterung, fügte er in seiner Predigt hinzu: "Seine Botschaft vom Gottesreich darf deshalb auch nicht missbraucht werden zur Rechtfertigung irdischer Herrschaftsansprüche. Denn überall da, wo Menschen für sich in Anspruch nahmen, im Namen Gottes zu herrschen, haben sie Blutbäder angerichtet und richten noch heute Blutbäder an."

Jung rief als Gastgeber des bis Sonntag dauernden Christentreffens auch dazu auf, die Würde aller Menschen als höchstes Gut zu verteidigen gegen zunehmende Angriffe von allen nur denkbaren Seiten. Kirche müsse dabei vor allem auf der Seite derer stehen, die sich selbst am wenigsten wehren könnten. Sie setze sich daher besonders ein "für den Schutz des ungeborenen Lebens, für die Würde der kranken Menschen, der Menschen mit Behinderung und der sterbenden Menschen".

Mut zu Reformen in der Kirche

Das Katholikentagsmotto "Hab Mut, steh auf" gelte aber auch für Reformen innerhalb der katholischen Kirche, so Jung weiter: "Wir müssen mutig aufstehen, um die Fragen zu stellen, die jetzt nach einer Antwort aus dem Glauben harren. Die Frage nach der Stellung der Frau im Blick auf die kirchlichen Ämter. Die Frage nach einem tieferen Verständnis dessen, was Synodalität heißt. Die Frage, wie Missbrauch von Macht verhindert werden kann." Am Gottesdienst zum Feiertag Christi Himmelfahrt nahmen trotz Regenwetters rund 11.000 Menschen teil. Anschließend wird der Katholikentag seine inhaltliche Arbeit aufnehmen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will nach dem Gottesdienst kirchliche Verbände besuchen und diskutiert bei einem Podium über Ehrenamt und Demokratie. Bei anderen Podien geht es etwa um Kirchenreformen, Fake News und die Aufarbeitung von Missbrauch. Zum Programm am Donnerstag gehören aber auch ein Mitmachzirkus, ein Gottesdienst mit Clowns, eine spirituelle Weinwanderung sowie ein Live-Podcast mit Harald Schmidt und Speyers Bischof Karl-Heinz Wiesemann zum Umgang mit Depression. (KNA)