Leo XIV. besucht Uni – letzter Papstbesuch nach Protesten abgesagt
Papst Leo XIV. hat junge Menschen zur Zusammenarbeit für Frieden, Gerechtigkeit und Klimaschutz ermutigt. "Wir alle sind Friedensstifter!", sagte er am Donnerstag vor Studierenden der römischen Universität Sapienza. "Gebt die Hoffnung auf eine bessere Welt nie auf", so der Papst bei seinem Antrittsbesuch an der staatlichen Hochschule, mit mehr als 100.000 Studierenden die größte Universität Italiens und eine der größten Europas.
Zuvor hatte er bei einer Rede in der Universitätsaula Themen wie Krieg, Künstliche Intelligenz und den Umgang mit Leistungsdruck und Zukunftsangst angesprochen. Viele junge Menschen litten in einer "von schrecklichem Unrecht" und "von Kriegen und Kriegsrhetorik" verzerrten Welt. "Der Ruf 'Nie wieder Krieg!' meiner Vorgänger, so sehr im Einklang mit der in der italienischen Verfassung verankerten Ablehnung des Krieges, spornt uns zu einem geistigen Bündnis mit dem Gerechtigkeitssinn an, der in den Herzen der jungen Menschen wohnt, mit ihrer Berufung, sich nicht auf Ideologien und nationale Grenzen zu beschränken", hob der Papst hervor.
Kritik an Aufrüstung und KI-Einsatz im Krieg
Weiter kritisierte er den "enormen" Anstieg der Militärausgaben weltweit, insbesondere in Europa. Aufrüstung dürfe nicht als "Verteidigung" bezeichnet werden, denn sie verschärfe Spannungen und Unsicherheit, schmälere Investitionen in Bildung und Gesundheit, untergrabe das Vertrauen in die Diplomatie bereichere Eliten, "denen das Gemeinwohl gleichgültig ist".
Ebenso forderte er, Künstliche Intelligenz im militärischen und zivilen Sektor stärker zu überwachen. "Was derzeit in der Ukraine, im Gazastreifen und den palästinensischen Gebieten, im Libanon und im Iran geschieht, verdeutlicht die unmenschliche Entwicklung des Verhältnisses zwischen Krieg und neuen Technologien in einer Spirale der Vernichtung", so der Papst.
Paradigmenwechsel weg vom Konsum-Denken
Er verwies auf einen Paradigmenwechsel weg von einem konsumorientierten Denken hin zur Förderung der Gerechtigkeit. Statt zu resignieren, sollten die jungen Menschen "wahre Friedensstifter" sein und gemeinsam demütig und beharrlich an einem "entwaffnenden und entwaffneten Frieden" arbeiten, "der für die Harmonie der Völker und den Schutz der Erde wirkt", so Leo XIV. vor der voll besetzten Aula Magna.
Das Lehrpersonal rief er auf, an ihre Studierenden zu glauben. "Lehren ist eine Form der Nächstenliebe, genauso wie die Rettung eines Migranten auf See, eines Armen auf der Straße oder eines verzweifelten Gewissens." Sein Besuch sei "ein Zeichen für eine neue Bildungsallianz zwischen der Kirche in Rom und eurer angesehenen Universität", schloss er seine Rede, für die er Standing Ovations erhielt.
Leo XIV. war am Morgen von Universitätsrektorin Antonella Polimeni am Campus begrüßt worden. Auch trug sich der Papst ins Goldene Buch ein, und eine Gedenktafel zum Papstbesuch wurde enthüllt. Bei einer Fahrt im offenen Golfcar wurde er von Studierenden mit "Viva il Papa"-Rufen empfangen. Einer seiner Vorgänger, Benedikt XVI. (2005-2013), war dagegen an der Sapienza nicht willkommen. Sein für den 17. Januar 2008 geplanter Besuch war nach Protesten von Dozenten und Studierenden gegen eine Rede des Papstes im säkularen Wissenschaftsbetrieb abgesagt worden.
