Besuch in Süditalien

Während des Besuchs von Papst Leo XIV. – Blutwunder in Neapel

Veröffentlicht am 09.05.2026 um 11:23 Uhr – Von Sabine Kleyboldt (KNA) – Lesedauer: 

Neapel ‐ Am ersten Jahrestag seiner Wahl besuchte der Papst Leo XIV. die süditalienische Stadt Neapel. Dabei schaute er sich auch die Reliquien des Heiligen Januarius (San Gennaro) an – bekannt für Blutwunder.

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Papst Leo XIV. hat die Kirche in Neapel ermutigt, trotz vielfältiger Probleme die christliche Botschaft aktiv zu leben. "Neapel ist eine Stadt der tausend Farben, in der sich Kultur und Traditionen der Vergangenheit mit Moderne und Innovation verbinden", sagte er am Freitag im Dom der süditalienischen Metropole. In Neapel zeigten sich neben einer lebendigen Volksfrömmigkeit auch zahlreiche soziale Probleme mit "vielen Gesichtern der Armut", und "sogar blutig von Gewalt", sagte Leo XIV. am ersten Jahrestag seiner Papstwahl vor Priestern und Ordensleuten der Diözese.

Ausdrücklich rief er die Seelsorgenden dazu auf, die christliche Botschaft in der Gesellschaft zu verfestigen und jeder Form der Vernachlässigung Fürsorge entgegenzusetzen. Dies gelte insbesondere für "erschöpfte Familien", oft orientierungslose junge Menschen und von Armut Betroffene.

Neue Formen des gemeinsamen Lebens für Priester

Zugleich zeigte er Verständnis, dass die Seelsorgenden oft von der Last ihrer Aufgabe, von Einsamkeit und Isolation zermürbt seien. Gerade vor diesem Hintergrund müsse Brüderlichkeit gefördert werden, vielleicht sogar durch neue Formen des gemeinsamen Lebens, "in denen Priester einander helfen und gemeinsam pastorales Handeln entwickeln" können, so der Papst. Es gehe darum, der "Versuchung des Individualismus" entgegenzuwirken. "Lasst uns die Kunst der Nähe üben!", rief er Priestern und Ordensleute auf.

Weiter ermutigte er die Kirche von Neapel, die synodale Methode, die eine Teilhabe aller Menschen fördert, zu vertiefen: Sie beinhalte gegenseitiges Zuhören, ein Einbeziehen aller, eine menschliche, pastorale und spirituelle Synergie zwischen Pfarreien, Verbänden, Ordensleuten und Laien, so Leo XIV. Dies sei besonders hilfreich in einer Stadt, die von Ungleichheit, Jugendarbeitslosigkeit, Schulabbrechern und zerbrechlichen Familien geprägt sei.

Ein Mann übergibt dem Papst eine Pizza, auf der mit Käse "Papa Leone XIV." steht.
Bild: ©KNA/Vatican Media/Romano Siciliani

Papst Leo XIV. bekommt eine Pizza Napoli bei seiner Ankunft am 8. Mai 2026 in Neapel (Italien).

"Vergesst nicht: Ihr seid Teil einer Liebesgeschichte, der Liebesgeschichte des Herrn zu seinem Volk, die vor euch begann und nicht mit euch endet", so der Papst weiter. "Fürchtet euch nicht, lasst euch nicht entmutigen und seid für diese Kirche und für diese Stadt Zeugen Christi."

Zuvor hatte Leo XIV. in der Kathedrale die berühmten Reliquien des Heiligen Januarius (San Gennaro) besucht, bekannt durch das mehrmals im Jahr auftretende Blutwunder. Verflüssigt sich das Blut des Stadtpatrons, sehen das die Neapolitaner als gutes Omen. Kurz bevor Papst Leo XIV. das Gotteshaus betrat, trat das Wunder außerhalb des üblichen Turnus ein – zum zweiten Mal binnen weniger Tage. "Ich möchte dem heiligen Gennaro meine Ehrerbietung erweisen, er ist so bedeutend", so der Papst. Unter dem Jubel der Menschen in der Kathedrale hob er die Ampulle mit dem flüssigen Blut empor und küsste sie.

Am vergangenen Samstag war das Phänomen tournusgemäß beobachtet worden. Traditionell verflüssigt sich das Blut des Stadtheiligen dreimal im Jahr: am Samstag vor dem ersten Mai-Sonntag, dem Fest der Übertragung der Reliquien nach Neapel, am 19. September, dem Gedenktag des Heiligen, sowie am 16. Dezember zur Erinnerung an die Bewahrung Neapels vor einem Vesuvausbruch im Jahr 1631. 

Päpste und das Blutwunder

Auch bei früheren Papstbesuchen wurde das Blutwunder registriert. Überliefert ist eine Verflüssigung beim Besuch von Pius IX. im Jahr 1848. Bei Johannes Paul II. 1979 und Benedikt XVI. 2007 blieb das Wunder aus. Papst Franziskus erlebte 2015 eine teilweise Verflüssigung.

Der Überlieferung nach wurde Januarius während der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian bei Pozzuoli nahe Neapel enthauptet. Wissenschaftler führen das Phänomen unter anderem auf sogenannte Thixotropie zurück – die Eigenschaft bestimmter Stoffe, sich durch Bewegung zu verflüssigen.

Anschließend machte Leo XIV. eine lange Fahrt im Papamobil auf der Piazza del Plebiscito und durch die umliegenden Straßen, wo er von rund 50.000 Menschen begrüßt wurde. Am Vormittag hatte er das benachbarte Pompeji besucht. Dort begrüßte er sozial benachteiligte Menschen und feierte auf dem Platz des berühmten Marienheiligtums die Messe. Der Besuch des Papstes in Süditalien endet mit einer Begegnung mit Bürgern auf der zentralen Piazza. Am Abend kehrt er in den Vatikan zurück.

Von Sabine Kleyboldt (KNA)