Neuer Freiburger Münsterbaumeister: "Ein Traum wird wahr"
Das Freiburger Münster hat mit dem 36-jährigen Architekten und Denkmalpfleger Moritz Richter einen neuen Münsterbaumeister. Der Münsterbauverein teilte am Mittwoch seine Entscheidung mit. Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) spricht Richter von einem Traumjob.
Frage: Als Architekt kann man gestalten, entwerfen, neue Bauwerke realisieren. Das Freiburger Münster steht unveränderlich. Was reizt Sie an der neuen Aufgabe als Münsterbaumeister?
Richter: Beim Freiburger Münster geht es darum, ein einzigartiges Bauwerk, das den gesellschaftlichen und geistlichen Mittelpunkt der Stadt darstellt, über Generationen und Jahrhunderte hinweg zu bewahren und verantwortungsvoll weiterzuentwickeln. Vor mehr als 800 Jahren wurde mit dem Bau begonnen, weitere Jahrhunderte müssen folgen. Mich fasziniert die Aufgabe, die Substanz dieses besonderen Ortes zu verstehen, Schäden früh zu erkennen und Lösungen zu entwickeln, damit das Münster auch in kommenden Jahrhunderten erhalten bleibt. Das verlangt Respekt vor dem Bestand und der Baugeschichte.
Frage: Worin liegen die größten Schwierigkeiten, eine mittelalterliche Kathedrale für die Zukunft zu erhalten?
Richter: Die größte Herausforderung besteht darin, ein Bauwerk aus dem Mittelalter mit den Bedingungen der Gegenwart und Zukunft in Einklang zu bringen. Naturstein altert, Witterung und Klimaveränderungen wirken sich zunehmend auf die Substanz aus, und viele Schäden entstehen über sehr lange Zeiträume hinweg. Gleichzeitig muss man mit größter Sorgfalt arbeiten, weil jeder Eingriff die historische Authentizität des Bauwerks betrifft. Dabei ist das Wissen der historischen Handwerkstechniken und Materialien maßgeblich für heutige Restaurierungsarbeiten.
Die Sonne scheint exakt in der Mittelachse des Freiburger Münsters und wirft ihre Strahlen quer durch das gotische Kirchenschiff.
Frage: Was wollen Sie als erstes in Freiburg anpacken, wenn Sie am 1. Oktober beginnen?
Richter: Direkt zu Anfang steht eine große Sanierung am Hauptturm des Münsters an – am sogenannten Oktogon. Hier werde ich frühzeitig bereits vor Antritt eingebunden. Darüber hinaus möchte ich mich intensiv in die laufenden Projekte einarbeiten, um das Freiburger Münster in seiner gesamten Komplexität zu verstehen und daraus langfristige sowie nachhaltige Restaurierungskonzepte weiterzuentwickeln.
Frage: Muss ein Münsterbaumeister auch ein guter Kommunikator sein?
Richter: Ja. Ein besonderes Anliegen ist mir beispielsweise die Wissensvermittlung rund um das Freiburger Münster, insbesondere an junge Menschen. Ich halte es für wichtig, früh Begeisterung für historische Bauwerke und unsere Baukultur zu wecken.
Frage: Ihr Ur-Urgroßvater war vor 100 Jahren Kölner Dombaumeister. Was bedeutet Ihnen diese außergewöhnliche familiäre Linie?
Richter: In meiner Familie gab es über Generationen hinweg viele Architekten, die sich mit Denkmalpflege und Kirchenbauten beschäftigt haben. Das hat mich von früh an geprägt. Vor allem durch meinen Großvater und die Erzählungen meines Vaters habe ich ein tiefes Verständnis für historische Bauwerke und ihren Erhalt entwickelt. Mein Ur-Urgroßvater Bernhard Hertel war Anfang des 20. Jahrhunderts an der Kölner Dombauhütte tätig. Diese familiäre Verbindung ist für mich natürlich etwas Besonderes und zugleich eine große Inspiration. Schon während meines Architekturstudiums war mir klar, dass ich mich dem Bestand, der Baugeschichte und der Denkmalpflege widmen möchte. Mit der Aufgabe als Münsterbaumeister geht für mich deshalb tatsächlich schon früh ein Traum in Erfüllung.
