"Valerie und der Priester" ziehen positive Bilanz nach zehn Jahren

Zehn Jahre nach dem Start des Projekts "Valerie und der Priester" haben die Journalistin Valerie Schönian und der Priester Franziskus von Boeselager eine positive Bilanz ihrer Begegnung gezogen. Trotz ihrer gegensätzlichen Lebenswelten sei eine dauerhafte Freundschaft entstanden, erklärten beide in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview des Kölner Portals "domradio.de".
Das Projekt sah vor, dass die damals kirchenferne Journalistin den jungen Priester ein Jahr lang in seinem Alltag in Münster begleitete. "Ich denke sehr gerne an diese Zeit zurück, sie hat mich auf jeden Fall geprägt", sagt Schönian heute. Auch von Boeselager, inzwischen Pfarrvikar in München, bezeichnete das Projekt als gelungen: "Es waren die richtigen Menschen, die zur richtigen Zeit im richtigen Rahmen zusammengekommen sind."
Keine Konversion, aber gegenseitiges Verständnis
Entgegen mancher Erwartungen aus dem Publikum führte das Projekt nicht zu einem Kircheneintritt Schönians. Schönian, die heute als Buchautorin in Berlin lebt, betonte, sie sei weiterhin kein Kirchenmitglied, nehme aber in Diskussionen manchmal eine "Art Verteidigungsposition ein, wenn Kirche nur auf Missbrauch und Skandale reduziert wird". Sie wolle dann vermitteln: "Da ist viel mehr."
Von Boeselager erklärte, das Projekt habe ihn unterbewusst für den Dialog mit Menschen jeglicher Weltanschauung geprägt. Er habe gelernt, dass es nichts bringe, den anderen um jeden Preis vom eigenen Glauben überzeugen zu wollen. "Bei uns beiden ist eine größere Weite im Denken entstanden", so der Geistliche.
Angesichts zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung hob Schönian den Wert des Erlebten hervor. Ihre wichtigste Lernerfahrung sei das "Verständnis trotz Verschiedenheit" gewesen. Man müsse lernen, unterschiedliche Standpunkte auszuhalten, solange diese auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stünden. Trotz inhaltlicher Differenzen bei Themen wie Feminismus oder dem Frauenpriestertum seien beide über die Jahre hinweg im Gespräch geblieben. "Es gibt eine Verbindung, die bleibt", betonte von Boeselager. (KNA)