Genn: Weltkirche will bei Bischofswahlen mehr Mitsprache für Laien
Laut dem emeritierten Münsteraner Bischof Felix Genn gibt es in der gesamten Weltkirche den ausdrücklichen Wunsch, Laien künftig stärker in den Auswahlprozess von Bischöfen einzubinden. "Es wäre gut, wenn es eine Beteiligung des Gottesvolkes an der Bischofswahl gäbe. Das Gottesvolk soll mit befragt werden", beschrieb Genn am Donnerstag in einer vom Bistum Münster verbreiteten Meldung den Wunsch der Weltkirche, der so an eine noch von Papst Franziskus (2013–2025) eingesetzte Studiengruppe zur Bischofswahl herangetragen worden sei. Genn hatte die Studiengruppe, die Anfang Mai ihren Bericht veröffentlicht hatte, als Koordinator geleitet.
Bedeutung von Synodalität betont
In dem Bericht werde an verschiedenen Stellen die Bedeutung von Synodalität im Sinne einer stärkeren Einbindung und Beteiligung von Menschen, die keine Geistlichen sind, betont, so das Bistum weiter. Hierdurch soll unter anderem einem Klerikalismus bei der Bischofswahl entgegengewirkt werden. Ausdrücklich werde in dem Bericht zudem festgehalten, dass auch eine "geeignete Anzahl von Frauen und jungen Menschen" in dem Auswahlprozess befragt werden solle, so Genn.
Laut dem emeritierten Bischof wollte die Studiengruppe mit ihren Überlegungen eine Antwort auf die Frage zu geben, wie Synodalität auf allen kirchlichen Ebenen verwirklicht werden kann. Das gelte für das Hören auf das Volk Gottes ebenso wie für die Kollegialität der Bischöfe und auch für den Dienst des Papstes. Für die Auswahl der Bischöfe bedeute das: "Wir brauchen Bischöfe, die nicht top-down regieren, allein, von oben her, sondern die eine hohe Sensibilität haben für synodale, gemeinschaftliche Prozesse, die sich ihrer Rolle als Entscheider bewusst sind, aber Entscheidungen nie ohne Beratung treffen, selbst, wenn es kontrovers zugehen sollte", sagte Genn.
"Papst Leo muss schauen, wie er das umsetzen kann"
Wenn ein Bischof doch einmal eine Entscheidung treffe, die einem vorherigen Beschluss synodaler Gremien widerspreche, müsse es hierfür Gewissensgründe geben, die für die synodalen Gremien nachvollziehbar seien, betonte Genn weiter. Synodalität greife weder die Rolle der Bischöfe noch die des Papstes an. Vielmehr gehe es darum, wie die verschiedenen Ebenen in der Kirche gut miteinander zusammenarbeiten könnten. Ohne Rückbindung an synodale Gremien könnten weder die Bischöfe noch der Papst ihren Aufträgen in einer guten Weise gerecht werden. Eine gelebte Synodalität in der Kirche könne auch für eine Gesellschaft ein starkes Signal sein, so der Bischof.
Der Bericht der Studiengruppe wurde laut Genn von Papst Leo XIV. bewusst öffentlich gemacht, um Transparenz herzustellen. Dem Papst sei bewusst, dass es "nicht nur Papier bleiben und ad acta gelegt werden" könne, sondern nun auch gehandelt werden müsse. "Papst Leo muss schauen, wie er das, was erarbeitet wurde, umsetzen kann." (stz)
